Ändert sich der Fußball?

Demut oder Übermut

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Einige Wörter werden vom Fußball gerade überstrapaziert. Von der „Blaupause“, die ein Begriff aus der Vor-Computerzeit ist, sprechen alle, als wäre sie eine Innovation des Jahres 2020. Noch öfter zu hören ist im Zusammenhang mit dem Re-Start im deutschen Fußball wohl nur die „Demut“. In den vergangenen Wochen lief die Deutsche Demuts-Meisterschaft an, der Profifußball erklärte seine Demut gegenüber der Politik, dem nicht mehr ganz so zufriedenen Fan, der kritisch gewordenen Gesellschaft. Er versprach: Nach Corona und dem Hygiene- kommt das Demutskonzept, es wird getaskforct werden.

Soll man das glauben, dass sich Fundamentales verändern wird? Eher nicht. Es gab ja schon im Vorfeld des 26. Spieltags Verstörendes wie das Facebook-Filmchen aus der Hertha-Kabine oder das Wehklagen des Kölner Trainers Markus Gisdol, als Profi in Quarantäne sei man unterprivilegiert. Nun mischt sich in die Nachrichtenlage ein Streit zwischen dem DFB und dem FC Bayern, in dem es exakt um das Thema Demut geht. Verbandspräsident Fritz Keller hat in einem Interview angemahnt, dass mit der Großkotzigkeit mancher Akteure im Fußball Schluss sein müsse; keine neue Erkenntnis, er war nicht der Erste, der sie so formulierte, leicht überspitzt, doch es ist Konsensmeinung. Umso überraschender, dass Karl-Heinz Rummenigge für den FC Bayern aus dem Sattel ging und von Ausnahmen sprach. Was ja wiederum so klingt, als gebe es keinen Anlass, das flächendeckende Auftreten seiner Branche zu reflektieren.

Fußball ist so, wie er ist, weil der Zufluss von Geld ihm erlaubt, so zu sein. Die Zahlen, die den 26. Spieltag flankieren, lassen erahnen, dass auf die Bundesliga keine schwere Rezession zukommen wird. Die Leute sind bereit, das Produkt trotz seiner derzeit schmucklosen Verpackung anzunehmen. Die Sky-Zahlen werden zwar wieder Richtung Normalmaß sinken, wenn die Konferenz ab dem übernächsten Spieltag nicht mehr frei zugänglich ist, doch die Bundesliga wird internationale Aufmerksamkeitswerte genießen wie noch nie.

Darin liegt allerdings die Versuchung zur Überhöhung. Die vorausschauende Schwärmerei, nun finde man ein „Milliardenpublikum“ (Rummenigge) passt nicht zum Vorsatz, demütiger zu werden. Sie kündet eher von Übermut.

Guenter.Klein@ovb.net

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