München – Der 15. Jahrestag: Das ist vielleicht kein großes Jubiläum, aber eine willkommene Gelegenheit, zurückzublicken. Auch wenn die Allianz Arena aktuell die letzten Vorbereitungen auf die Geister-Heimspiele des FC Bayern laufen, tut Jürgen Muth das gerne. Der Geschäftsführer der Allianz Arena München Stadion GmbH war schon am 19. Mai 2005 dabei, als im Stadion von Fröttmaning die erste Partie – das Testspiel zwischen den Legenden-Mannschaften des TSV 1860 und der Bayern – vonstatten ging. In den 15 Jahren seitdem ist viel passiert, wie der 56-Jährige im Interview erzählt.
Herr Muth, wenn alles normal gelaufen wäre, würde zum 15. Geburtstag die EURO 2020 anstehen. Sind Sie wehmütig?
Natürlich wäre es schön gewesen, nach einer – hoffentlich – erfolgreichen Fußballsaison mit dem FC Bayern München nun die EURO vorzubereiten. Was mich freut: Dass wir so viel in den letzten 15 Jahren in der Allianz Arena erleben durften.
Außerdem ist Vorfreude ja die schönste Freude.
Das stimmt. Am meisten freue mich auf den Moment, an dem wir endlich wieder vor Fans in der Allianz Arena Fußball spielen.
Wenn es kein Wehmut ist: Mit welchen Gefühlen schauen Sie zurück auf die letzten 15 Jahre?
Das ist eine lange Zeit, wenn ich mir das so überlege (lacht). Und ich bin dankbar, schon seit Planung und Bau dabei zu sein. Wesentlich ist hier unser Arenateam, das diesen Spielbetrieb bisher immer und sicher aufrechterhalten hat und inzwischen enorm erfahren ist. Mich freut besonders die Entwicklung der Allianz Arena. Weil wir in den 15 Jahren nie einen Stillstand hatten, sondern immer das Bestreben hatten, bei technischen Entwicklungen vorne dabei zu sein. Die Allianz Arena sieht jetzt schon anders aus als vor 15 Jahren. Besonders sichtbar ist das 2018 geworden, als wir den gesamten Innenraum von den Tribünen über die Zuschauerbereiche bis hin zum Dach im Design des FC Bayern München gestaltet haben.
So soll es weitergehen.
Da bin ich optimistisch, weil wir einen Gesellschafter wie den FC Bayern haben, der uns diese Möglichkeiten gibt. Der FC Bayern will nicht nur sportlich vorne sein, sondern auch infrastrukturell die Nummer eins sein und bleiben. Davon profitieren wir alle – und besonders die Fans.
Was war Ihr schönster Arena-Moment?
Der Anpfiff vom Eröffnungsspiel am 31. Mai 2005. Das kann man vergleichen mit einem Bergsteiger, der dann auf dem Gipfel steht.
Das spektakulärste Spiel?
Das, was wir leider verloren haben. Am 19. Mai 2012, das Finale dahoam.
Der anstrengendste Arbeitstag?
Die Zeit um die Inbetriebnahme. Bei der Eröffnung der Allianz Arena war diese in vier Tagen drei Mal ausverkauft. 200 000 Menschen waren da im Haus. Wenn ich an diese paar Tage denke, weiß ich, wann das mit den grauen Haaren bei mir zugenommen hat.
Alles, was danach kam, war also auszuhalten?
Wenn ich zum Beispiel an die sechs Wochen FIFA Weltmeisterschaft 2006 denke, wo das gesamte Team von uns jeden Tag gearbeitet hat, sage ich: Das war eine wunderschöne Zeit. Und sie war nicht so anstrengend wie damals die Eröffnung.
Die schwerste Entscheidung?
(überlegt) Die kann ich nicht benennen. Es gab natürlich immer wieder mal Nächte, in denen ich nicht gut geschlafen habe.
Der größte Fehler?
Natürlich hätten auch wir das eine oder andere anders gemacht – mit dem Wissen von heute.
Zum Beispiel?
Zu Zeiten von Trainer Pep Guardiola haben wir mit einem Hybridrasen – Kombination aus Natur- und Kunstrasen – gearbeitet. Aber die enorme Belastung, die wir in kurzer Zeit auf den Rasen gebracht haben, war zu viel. Diese Entscheidung mussten wir revidieren. Seitdem spielen wir wieder auf Naturrasen.
Die größte Bestätigung?
Ich freue mich immer, wenn ich mit Besuchern, Gästen und auch beispielsweise unseren Logenkunden im Stadion unterwegs bin. Wenn ich da immer noch glänzende Augen sehe, ist das für uns alle die größte Bestätigung.
Wo steht die Allianz Arena in 15 Jahren?
Mein großer Wunsch ist, dass die Allianz Arena weiter den Weg gehen darf, den sie die letzten 15 Jahre gegangen ist. Wir wollen eines der besten Stadien der Welt sein und bleiben. Dazu gibt es weiterhin genügend Entwicklungsmöglichkeiten.
Was ist ausbaufähig?
Ganz wichtig ist der Servicegedanke am Fan, der heute anderes erwartet als beispielsweise vor 15 Jahren. Das geht für mich beim Thema Verkehr los. Geht über das Thema Catering. Und geht hin bis zu Informationen zum Spieltag. wo wir mit der FC Bayern-App schon heute gut aufgestellt sind. Unsere Aufgabe ist es, die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen – beispielsweise mit dem W-Lan, das sehr leistungsfähig im Vergleich zu anderen Stadien in Europa ist. Und mit Bezahlsystemen, die state of the art sind.
Wann findet das erste Konzert in der Allianz Arena statt?
Unser Kerngeschäft ist und bleibt der Fußball, das alles Entscheidende ist der FC Bayern. Auch in 15 Jahren. Es gibt einen langfristigen Erbpacht-Vertrag mit der Landeshauptstadt München, in dem die Nutzung geregelt. Selbstverständlich sind wir aber gerne bereit, mögliche Erweiterungen mit den Verantwortlichen zu besprechen.
Und womöglich gibt es bis dahin einen ja auch Champions-League-Sieg dahoam.
Das würde ich mir am allermeisten wünschen. Womöglich schon 2022. Ich hoffe auf einen anderen Ausgang als 2012, damit diese Scharte auch endlich wieder ausgewetzt ist.
Interview: Hanna Raif