München – Das war er also, der 26. Spieltag der deutschen Fußball-Bundesliga, bestaunt wie ein Weltwunder – ganz einfach, weil es ihn gab. Darum hat er seinen Platz in der Geschichte verdient, man wird sich daran erinnern, dass sogar das Spiel Fortuna Düsseldorf – Paderborn auf dieses denkwürdige Wochenende fiel. Halleluja, 26. Spieltag der Saison 2019/20.
Was man aber nicht übersehen sollte: Es war sportlich eine ziemlich öde Runde. Zugegeben mit ein paar schönen Toren, die nun auch eine Akustik haben, weil zu hören ist, wie das Gestänge des Kastens bebt, wenn der Ball an den Maschen des Netzes zerrt – doch letztlich ohne Überraschungseffekt. In der Regel gewann das Team, das mehr kann.
Drei der neun Partien endeten unentschieden. Nicht unerwartet, weil sie in der Tabelle nicht weit auseinander platziert waren. Staunen konnte man allenfalls über das 1:1 zwischen Leipzig und Freiburg, weil die Spieldaten das nicht hergaben. Denn Leipzig war in den ausschlaggebenden Kategorien überlegen: 22:6 Torschüsse, 67 gegenüber 33 Prozent Ballbesitz, auch die Passquote von 87 Prozent übertraf die des Gegners deutlich (72). Die Rasenballsportler hätten klar gewinnen müssen.
Von den sechs Siegen gingen fünf an den jeweiligen Favoriten (laut Tabelle nach 25 Spieltagen), lediglich bei Hoffenheim – Hertha BSC (0:3) war es anders. Aber irgendwie auch erklärbar: Hoffenheim ist im eigenen Stadion schon die ganze Saison eine Katastrophe, die Berliner hatten den Impuls durch einen neuen Trainer (Bruno Labbadia) und nach dem Fall Salomon Kalou eine gewisse Bringschuld.
Geisterspiele lassen eine wichtige Komponente entfallen: Die Unterstützung durch das Heimpublikum, den zwölften Mann. Davon leben Standorte wie Union Berlin, Bremen, Augsburg. „Das hier gilt ja als kleines Anfield“, zog Trainer Heiko Herrlich bei seinem FCA-Amtsantritt den Liverpool-Vergleich. Doch nun hören die Spieler nicht Fans, sondern den Verkehr der am Stadion vorbeiführenden Bundesstraße. Den Bremern fehlt ihre „Green-White Wonderwall“, Union der eh recht einzigartige Anhang.
Nach den Eindrücken des Re-Start-Spieltags wird der Bessere gewinnen. Der Bessere ist der, der das Spiel bestimmt, öfter am Ball ist, mehr Pässe und diese auch sicherer spielt. Ohne Beeinflussung von außen kommen die Teams, die Siege von FC Bayern, Dortmund, Leverkusen, Mönchengladbach und Wolfsburg (wenngleich in diesem Fall vom Spielverlauf auch glücklich) in Berlin, gegen Schalke, in Bremen, Frankfurt und Augsburg waren da Abbild der Überlegenheit in der Statistik.
Acht Spieltage sind noch übrig, das Tabellenbild offenbart einige Gräben: Das Rennen um die Plätze für die internationalen Ligen ist weitgehend entschieden, Paderborn und das heftig kriselnde Bremen (nach dem 1.4 gegen Leverkusen) stehen abgeschlagen auf den Festabsteigerplätzen. Die grundsätzliche Qualität der Teams wird sich nicht mehr verändern. Schlechte Karten für die. die Glück bräuchten. gük