München – Bayern-Trainer Hansi Flick hatte seiner Mannschaft den gestrigen Dienstag frei gegeben. Lediglich Niklas Süle und Philippe Coutinho arbeiteten an der Säbener Straße weiter an ihrem Comeback. In ihrer Freizeit-Gestaltung sind die Spieler durch das DFL-Hygienekonzept ohnehin massiv eingeschränkt. Unter anderem dürfen die Spieler keinen Besuch empfangen, keinen Kontakt zur Nachbarschaft oder Öffentlichkeit haben und müssen in ihrer Wohnung, im Haus oder Garten bleiben.
Wenn Flick das Team heute Vormittag also wieder an die Säbener Straße bittet, um die Vorbereitung auf das Spiel gegen Eintracht Frankfurt (Samstag 15.30 Uhr, Sky) zu starten, dürfte das für viele eine willkommene Abwechslung zum tristen Quarantäne-Alltag sein. Das gilt auch für Lucas Hernandez, 24, der darauf brennt, seinen Trainer endlich von seinen Startelf-Qualitäten zu überzeugen.
Der 80-Millionen-Transfer Lucas wird für Flick zum Luxusproblem. Zwar verpasste Hernandez im ersten Halbjahr in München verletzungsbedingt 19 Spiele (Knieprellung, Innenbandriss im Sprunggelenk, Sehnenreizung), derzeit ist er aber topfit. In Berlin erhielt erneut Jerome Boateng, 31, den Vorzug in der Innenverteidigung neben David Alaba, 27.
„Aktuell ist das Vertrauen in die Viererkette da. Sie hat es auch im Training sehr gut gemacht“, begründete Flick seine Personalentscheidung, machte Hernandez dann aber im nächsten Atemzug Hoffnungen auf baldige Einsatzzeiten: „Wir werden versuchen, Lucas immer die Möglichkeit zu geben, zu spielen. Er ist ein Spieler mit sehr viel Herz. Wir haben noch acht wichtige Spiele. Da wird er für uns mit Sicherheit seinen Dienst leisten. Er macht im Training einen sehr guten Eindruck.“
Zumal Boateng in Berlin nach seinen starken Leistungen vor der Corona-Unterbrechung wieder einige Wackler zeigte. „Sein Spiel war wie das der gesamten Mannschaft: Am Anfang hatten wir etwas Schwierigkeiten, sind dann besser reingekommen und haben überzeugend gewonnen“, ließ Flick leichte Kritik anklingen. Warum Hernandez trotzdem keine einzige Einsatzminute bekam, erklärte Flick so: „Aufgrund des Ergebnisses war es nicht einfach auszutauschen, weil wir im ersten Spiel nach der langen Pause Stabilität gebraucht haben.“
Fakt ist: Der Münchner Fußballlehrer gilt nicht unbedingt als Fan davon, dass zwei Linksfüße in der Innenverteidigung agieren. Und Alaba ist als Abwehrchef aktuell gesetzt – mit Erfolg. Auf der Position des Linksverteidigers, die Hernandez in der französischen Nationalmannschaft bekleidet, ist Youngster Alphonso Davies, 19, nicht mehr wegzudenken. Der FC Bayern hat in den letzten fünf Spielen wettbewerbsübergreifend dafür gesorgt, dass hinten die Null steht. Durchaus möglich also, dass Lucas auch am Samstag bei der Geisterspiel-Premiere in der Allianz Arena nur die Bank bleibt.
Hansi Flick plant derzeit nicht, ein weiteres Geisterspiel-Training am Wettkampfort durchzuführen, wie er es jüngst tat. bok