Garmisch-Partenkirchen – Peter Fischer gibt sein erstes Interview. Kurz nach der Wahl zum Vorsitzenden des Skiclubs Garmisch. Vor 23 Jahren war das. Nach seinen Zielen wurde er gefragt. Seine Antwort: „Ich will der erfolgreichste Skiclub-Präsident Deutschlands werden.“ Die Reaktion vieler: „So ein arroganter Hund.“
War Fischer egal. Er hat sein Ziel erreicht. „Wir sind wer“, sagt er. Die Kandahar-Rennen gehören zu den Top-Veranstaltungen im Weltcup-Winter, 2011 hat Garmisch-Partenkirchen eine Vorzeige-WM ausgerichtet. Im „Wir sind wer“ steckt unausgesprochen viel „ich“. Fischer ist der Ski-Weltcup. Gerne bezeichnet er ihn als sein Lebenswerk. Davon trennt man sich nicht leicht. Bald will es der 66-Jährige aber tun, zumindest schrittweise. Bei der Vorstandswahl im Skiclub zum Jahresende tritt er nicht mehr an. Dann endet auch das Kapitel mit ihm als Chef des Weltcup-Organisationskomitees (OK).
Mit dem ehemaligen Ski-Rennläufer Fritz Dopfer präsentiert er auch gleich einen potenziellen Nachfolger. Der gebürtige Innsbrucker, der in Schongau aufgewachsen ist und für den SC Garmisch startete, kommt zum 1. September ins OK-Team. Zunächst als Angestellter mit der Option, zum Geschäftsführer aufzusteigen. „Er ist Berufsanfänger“, sagt Fischer. „Er kommt, um zu lernen.“ Nichts, was man Dopfer extra sagen müsste. Exakt das will er tun, „genau darauf freue ich mich riesig“. Peu à peu wolle er sich einarbeiten – wie im Leistungssport. „Da kann man auch nicht gleich ganz oben einsteigen.“ Als Athlet wie als Mensch verkörpert Dopfer akribisches Arbeiten mit Hang zur Perfektion. An wen diese Eigenschaften wohl erinnern. Sogar das Sternzeichen teilen sich Fischer und Dopfer: Jungfrau.
Viele Gespräche haben die beiden im Vorfeld geführt, jedes Mal habe sich Dopfer bestens vorbereitet, alles mitgeschrieben. Am Montag unterzeichnete er den Vertrag. Fischer bezeichnet seinen Wunschkandidaten als „Coup für Garmisch-Partenkirchen und den Weltcup“. Nicht nur, weil er Dopfer als Mensch schätzt. Sondern auch, weil der mit Sportmanagement eine passende Ausbildung mitbringt, den Skizirkus kennt – und der Skizirkus ihn. „Da muss man niemandem etwas erklären.“
Seit seiner schweren Verletzung 2016 – Dopfer brach sich das Schien- und Wadenbein und fand nie zu alter Form zurück – hatte Fischer den heute 32-Jährigen im Blick. Im März 2020 erklärte der Athlet seinen Rücktritt.
Was Dopfer beruhigt: Fischer steht an seiner Seite, zudem kommt er in ein erfahrenes Team. „Das ist ein super Umfeld, in dem ich mich entwickeln kann.“ In der Wintersaison samt Weltcup 2021 wird ihn Fischer einarbeiten. „Ich gehe nicht, ich bleibe.“ Er meint als Stütze, Ratgeber, Helfer.
Mancher Mitarbeiter und enger Partner schlug Fischer vor, zumindest als SC-Vorsitzender und OK-Präsident weiterzumachen und nur als OK-Geschäftsführer aufzuhören. Fischer lehnte ab. Warum die Zeit für seinen Abschied gekommen ist? Jetzt passe halt alles, meint er. Vor allem die Reaktionen geben ihm recht. „Bleib doch“, sollen ihn viele gebeten haben. Wenn alle sagen würden „Gott sei Dank ist er weg“, sei es zu spät. „Ich will selbst bestimmen, wann ich gehe.“