Es war im August 2014, die deutsche Nationalmannschaft war gerade 34 Tage vorher in Rio de Janeiro Weltmeister geworden, da musste der FC Bayern in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Preußen Münster ran. Pep Guardiola hatte Pepe Reina als Ersatz-Torhüter verpflichtet – und der Spanier hoffte auf Einsätze. In Münster aber stand Manuel Neuer im Tor. Als der Nationalkeeper im Anschluss an den lockeren Kick (4:1) darauf angesprochen wurde, ob er nicht auf ein Spiel wie dieses verzichten wollte, sagte er pikiert: „Ich bin immer fit.“
Sechs Jahre ist diese Anekdote nun her, aber sie sagt so viel aus über den Mann, der – so weiß man es seit Mittwoch – nun bis mindestens 2023 Kapitän des deutschen Branchenführers bleiben wird. Sie vereint das Versprechen, das Neuer in diesen neuen Vertrag einbringt: absoluten Ehrgeiz. Und jene Forderung, die er an die Bosse des FC Bayern zuletzt unmissverständlich gestellt hat: Wertschätzung. Die „Win-win-Situation“ (Hasan Salihamidzic), die nach zähen Gesprächen nun auf dem Papier steht, kann als Kompromiss aus beiden Richtungen gedeutet werden, finanziell wie zwischenmenschlich. Trotzdem haben die letzten Monate und Wochen gezeigt, dass die Personalie Neuer keine geräuschlose mehr ist. Auch wenn nach der getrockneten Unterschrift Ruhe einkehrt: Sie wird diesen Club begleiten.
Dass beide Parteien mit der Verlängerung des Vertrages aus sportlichen Gesichtspunkten alles richtig gemacht haben, steht außer Frage. Dennoch liegen die Dinge anders da als etwa bei Ur-Bayer Thomas Müller und Shootingstar Alphonso Davies, die vor Neuer langfristig gebunden wurden. Die Beziehung zwischen dem Kapitän und dem FC Bayern hat ja nicht erst zuletzt gelitten, sondern steht schon etwas länger auf der Probe. Erst vergangene Woche, als der Torhüter auf die Vertragsgespräche angesprochen wurde, konterte er den Optimismus von Karl-Heinz Rummenigge entnervt („nichts zu verkünden“). Auch da sah man: Neuer lässt sich nicht fremd bestimmen. Nicht mal von seinen Bossen.
Das hat Pepe Reina erfahren müssen, der nach einem Jahr und exakt drei Einsätzen die Flucht ergriff. Und das wird auch Alexander Nübel merken, der sich ab dem Sommer hinten anstellt. Eine Unterschrift von Neuer heißt: Ich spiele immer! Bis 2023. Und in zwei Jahren, wenn das Vertragsende naht, geht alles von vorne los.
Hanna.Raif@ovb.net