München – Seit Sonntag haben sich die Frauen des FC Bayern in einem Hotel isoliert. Die Quarantäne ist Teil des Hygienekonzepts des DFB, das den Neustart der Bundesliga als erste Frauenliga Europas am Wochenende ermöglicht. Um dem Lagerkoller in der Isolation vorzubeugen, wird Tischtennis und Playstation gespielt, aber natürlich stehen das tägliche Training und die Besprechungen im Vordergrund. „Die Stimmung ist hervorragend. Wir haben uns den Bedingungen angepasst, dass wir im Quarantäne-Hotel ein Stück weit festsitzen. Das klingt jetzt ein bisschen negativ, aber wir machen das Beste draus“, sagte Sportdirektorin Bianca Rech.
Anfang März hatte die Mannschaft ihr letztes Spiel, ein unglückliches 2:2 in Duisburg. Am Samstag, ziemlich genau drei Monate später, geht es nun mit dem vielleicht wichtigsten Spiel der Rückrunde weiter. 1899 Hoffenheim reist zur Partie auf dem Bayern-Campus an (Anpfiff 13 Uhr). Das Überraschungsteam der Saison liegt auf dem dritten Rang, mit einem Punkt weniger und der um einen Treffer besseren Tordifferenz als die Bayern-Frauen. Da nur der zweite Platz zur Teilnahme an der Champions League berechtigt, könnte die Partie vorentscheidend im Rennen um die Königsklasse sein.
Dass beide Mannschaften nach der Corona-Pause einen Kaltstart in das Topspiel hinlegen müssen, ist natürlich alles andere als glücklich. Die Situation des Geisterspiels ist für alle neu, Zeit um sich in Ruhe an die neuen Umstände zu gewöhnen, gibt es nicht. Dafür ist die Partie am Samstag zu wichtig. „Wir kommen alle aus einer Phase, nach der wir nicht genau wissen, wo wir stehen“, sagte Rech: „Das geht Hoffenheim so, das geht uns so. Das wird auch allen anderen Vereinen so gehen. Natürlich hätte es jetzt sicherlich nicht direkt Hoffenheim sein müssen. Aber wir sind vorbereitet und haben gut gearbeitet in den letzten Wochen. Wo wir genau stehen, werden wir erst nach dem Spiel wissen.“
Die Qualifikation für die Champions League ist für den FC Bayern „ein Muss“, wie Kapitänin Melanie Leupolz vor der Corona-Pause verkündete. Denn die Bayern-Frauen haben ehrgeizige Pläne, wollen national wie international voll angreifen. Gleich vier Neuzugänge wurden in der spielfreien Zeit präsentiert, mit Lea Schüller, Klara Bühl und Marina Hegering spielen drei davon für das DFB-Team. Dazu kommt die schwedische Auswahlspielerin Hanna Glas. Vor allem die Stürmerinnen Schüller und Bühl sollten den Bayern-Frauen in der neuen Saison weiterhelfen können, schließlich war die Chancenverwertung zuletzt ein zentrales Problem.
Auf der anderen Seite wird Melanie Leupolz die Bayern-Frauen in Richtung London zum FC Chelsea verlassen, Mandy Islacker wechselt zum 1. FC Köln. Im Sommer steht also wieder ein Umbruch an, doch zunächst gilt die volle Konzentration der Bundesliga. „Das wichtigste Spiel ist immer das nächste Spiel – deshalb ist die Partie gegen Hoffenheim für uns aktuell einzig und allein im Fokus“, sagte Trainer Jens Scheuer: „Aber danach kommen fünf weitere und dann genauso wichtige Spiele, die wir gewinnen wollen. Wenn wir Hoffenheim zu Hause schlagen, machen wir einen wichtigen Schritt nach vorne. Und trotzdem wäre dann aber noch nichts entschieden.“ Ein deutlicher Fingerzeig für den weiteren Verlauf der Saison wird das Spiel aber allemal. CHRISTIAN STÜWE