Das FCA-Schreckgespenst: Relegationsendspiel

von Redaktion

Augsburg – Im Fußball ist die Jahreszeit der verzweifelten Rechnungen angebrochen. Noch sechs Spieltage, für Paderborns Trainer Steffen Baumgart heißt das nichts anderes, „als dass noch 18 Punkte zu vergeben sind“. Also gerade mal einer weniger als die 19, die für den Aufsteiger nach 28 Spieltagen in der Bilanz stehen. Seit dem Re-Start der Bundesliga ist Paderborn ungeschlagen, doch jeweils 0:0 in Düsseldorf und Augsburg und ein 1:1 gegen Hoffenheim sind vor allem ungenutzte Chancen. Man wird auf der letzten Etappe der Saison nicht aufholen können, was man sich seit deren Beginn an Rückstand eingehandelt hat.

Auch der FC Augsburg darf sich nicht sicher fühlen als Zwölfter. Zwar hatte der neue Trainer Heiko Herrlich nach dem 3:0-Erfolg auf Schalke am Sonntag den „Turnaround“, sozusagen die große Saisonwende, ausgemacht, doch der Eindruck, den das Team mit dem 0:0 gegen Paderborn hinterließ, bestätigte das nicht. Fortuna Düsseldorf als 16. ist nur vier Punkte hinter dem FCA, ihn könnte am vorletzten Spieltag ein Relegationsendspiel in Düsseldorf treffen. Als Nächstes müssen die Augsburger zu Hertha BSC nach Berlin, wo der Neuer-Trainer-Effekt durch Bruno Labbadia spürbarer ist als der des FCA unter Heiko Herrlich. Dessen vier Punkte aus zwei Spielen, bei denen er an der Seitenlinie coachte, sind okay – doch die Partie, die sein Debüt gewesen wäre, hatte er in Folge seines Zahnpasta-und-Hautcreme-Ausflugs in der Quarantänewoche verpasst. „Eine harte Nuss“ nennt Herrlich dieses Spiel, das 1:2 verloren ging.

Er ist seit dem 10. März im Amt, er rannte direkt in die Corona-Krise hinein. Wohl noch nie in der Bundesligageschichte hat ein Trainer seine Mannschaft nach fast drei Monaten so wenig kennen können wie er. Nach der Phase des Nicht-trainieren-Dürfens kam die des Übens in Kleingruppen „für den Tag X“, und eigentlich musste er sich, als alles erlaubt war, bescheiden „mit zwei internen Testspielen, einmal über 90, einmal  über  45  Minuten“.

Herrlichs erste Elf unterscheidet sich kaum von der seines Vorgängers Martin Schmidt, doch er versucht, die Einsätze, auch durch Wechsel, breit zu streuen. Die im Kader fast vergessenen Marek Suchy (war Kapitän beim FC Basel) und Reece Oxford (war ein Star in den englischen U-Nationalmannschaften) durften schon spielen. Herrlich kann sich – im Gegensatz zu Baumgart – das Ausprobieren leichter leisten. Er braucht keine 18 Punkte. GÜNTER KLEIN

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