München – Gestern Nachmittag war auch Marko Pesic da. Der Geschäftsführer der Basketballer des FC Bayern wollte sich ein Bild machen vom Stand der Dinge. Ansonsten ist im Münchner „Leonardo Royal Hotel“ noch nicht zu sehen, dass hier bald der Basketball zu Hause ist.
Vom 6. Juni an wird das Haus die zehn Mannschaften beherbergen, die demnächst im Audi Dome gerne deutscher Basketball-Meister werden würden. Unter normalen Umständen wäre das nichts Ungewöhnliches. Unweit von Olympiapark und Allianz Arena gelegen, ist der Sport hier Alltagsgeschäft. Doch was ist schon Alltag in den Tagen der Pandemie?
Um Basketball möglich zu machen, verwandelt sich das moderne Vier-Sterne-Hotel in eine der edelsten Quarantänestationen Deutschlands. Auch für den erfahrenen Manager Stephan Löwel ist das natürlich eine neue Herausforderung: „So etwas kannte ich bis jetzt nicht.“
Wie können sich Gäste heimisch fühlen, derer man sich nicht annehmen darf? Ganze drei Mitarbeiter werden sich während der drei Turnierwochen direkt der sportlichen Gäste annehmen. Es sind die drei Personen, die die Bar im Eingangsbereich der Anlage betreiben. Für sie gilt, was auch für Spieler und Betreuer gilt: Drei Wochen lang ist an den Hoteltüren weitgehend Endstation. Mehr als gelegentliche Spaziergänge in den Olympiapark, maximal zu dritt, sind nicht drin.
Der Rest der Mitarbeiter bleibt den Basketballern fern. Auch das, derzeit noch im Umbau befindliche Restaurant, wird nach dem Aufbau des Buffets, an dem es auch stets Kleinigkeiten „für die Seele“ geben soll, gereinigt und vor dem Eintreffen der Gäste zum Essen geräumt. „Daran musst du dich erst gewöhnen, denn als Hotelier willst du dich ja um Gäste kümmern“, sagte Löwel. Überwacht wird die Sache nicht. Die Bundesliga verwarf Gedanken an ein Security-Team wieder. „Die Spieler sind erwachsene Leute, da setzt man auf ein entsprechendes Verantwortungsgefühl“, sagte Stephan Löwel.
Aber der 47-jährige Baldhamer und seine Kollegen setzen ja auch einiges dran um den Aufenthalt dennoch so annehmlich wie möglich zu gestalten. An Platz wird es nicht fehlen. Von den 424 Zimmern des Hauses werden nur 260 – ausschließlich als Einzelzimmer – belegt sein. Um unliebsame Begegnungen zu vermeiden, sind auf jedem der fünf Stockwerke nur je zwei Teams untergebracht. Eines aus jeder Vorrundengruppe. Ob man bei möglichen Kollisionen in der K.o.-Phase die Zimmer wechseln wird – Löwel glaubt es eher nicht: „Basketballer sind ja eher unkompliziert.“ Die Zimmer sind nicht allzu groß und vor allem die Betten nicht übermäßig lang. Doch die Schlafstätten können notfalls künstlich verlängert werden. Das „Leonardo Royal“ hat da Erfahrung – weil das Hotel Partner des FC Bayern ist, sind vor allem die Euroleague-Gastmannschaften stets auch hier zu Gast: „Das klappt gut“, sagte Löwel.
Aber es gibt ja genug Bereiche, in die die Basketballer ausweichen können. Im Untergeschoss wird eine mondäne Lounge eingerichtet, die ausschließlich den Spielern vorbehalten bleibt. Im angrenzenden Ballsaal wird eine Spielezone eingerichtet, mit Tischtennisplatte, Körben, Reflex- oder Geschicklichkeitsspielen. Und dann bleibt da auch ein kleines Freigelände, das durch einen Bauzaun von der – in diesem Teil der Stadt eher überschaubaren Umwelt abgeschottet wird. Hier können die Teams an freien Tagen sogar so etwas wie Lagerfeuer-Atmosphäre entwickeln. Unter anderem die Bayern bekommen hier von ihrem Caterer Käfer das Grillfleisch gebrutzelt. Quarantäne kann gemütlich sein.