Schalkes Niedergang

Königsblaue Maus

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Wer zehn Spiele nacheinander nicht gewinnt, wer in dieser Zeit nur drei Tore erzielt, aber 24 eingeschenkt bekommt, der sollte aus der Bundesliga absteigen. Dass dem FC Schalke 04 dies nicht widerfahren ist, liegt daran, dass er noch Punktevorräte aus der Hinrunde hat. Aus beiden Halbserien wird sich schließlich ein Bild ergeben, das die Königsblauen als einen Club des Mittelmaßes darstellt. Das prägt seine jüngste Geschichte: Dauerhaft erfolgreich ist in Gelsenkirchen nichts und niemand. Zuletzt wurde das gute erste Jahr unter der Trainer-Erscheinung Domenico Tedesco durch das katastrophale zweite unter ihm aufgehoben – am Ende war es so, als hätte es diesen Aufbruch nicht gegeben.

Erstaunlich an Schalke ist die unverbrüchliche Treue der Anhängerschaft. Und die Tatsache, dass der Verein in diesem Jahrtausend einige Male eine nicht unerhebliche Rolle in der Champions League spielte. Ja, es gibt die Ausreißer nach oben, doch im Gesamtverlauf der vergangenen 20 Jahre verdüstert sich die Schalke-Perspektive. Die Nachwuchsarbeit der Knappenschmiede unter Norbert Elgert ist fantastisch, doch Schalke hat davon nur noch den Erlös aus den Ablösesummen, die er erzielt, wenn er seine Besten (Manuel Neuer, Mesut Özil, Leroy Sané) verliert. Sportlich aufbauen lässt sich da nichts mehr. Die Schalker Jungs machen anderswo Weltkarriere, und auf Schalke spielt eine austauschbare Legionärstruppe.

Aus dem Geld, das reinkam, machte Schalke zu wenig. Viele Erwartungen an führende Köpfe erfüllten sich nicht. Felix Magath war nicht so erfolgreich wie in Wolfsburg, Christian Heidel kaufte nicht so clever ein wie für Mainz, der jetzige Sportvorstand Jochen Schneider ist auch nicht das angekündigte Transfer-Superhirn und David Wagner zwar der nette Trauzeuge von Jürgen Klopp, aber letztlich nur ein Trainer aus der Mittelklasse. Schalke ist sportlich belanglos geworden. Die Bundesliga hat eine königsblaue Maus.

Guenter.Klein@ovb.net

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