München – Meep, meep! Platz da, hier kommt der FC-Bayern-Road-Runner. Alphonso Davies (19) begeisterte Mitspieler und Fans weltweit beim Sieg im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund (1:0) mal wieder mit seiner sagenhaften Geschwindigkeit. Teamkollege Thomas Müller war nach dem Erfolg im Geister-Gipfel bestens aufgelegt, gab ein gewohnt humorvolles Interview auf Englisch. Er meinte: „Alphonso ist ein Spieler mit viel Herz und extremer Power. Manchmal hat er nicht die beste Positionierung auf dem Platz, aber wenn der Gegner denkt, er habe Zeit, dann macht es ‚Meep, meep’ und der FC-Bayern-Road-Runner Alphonso Davies kommt und schnappt sich den Ball.“
Zur Erklärung: In der amerikanischen Zeichentrickserie „Looney Tunes“ entwischt der Road Runner, ein Rennvogel, seinen Kontrahenten immer wieder dank seiner schier unglaublichen Schnelligkeit – dabei gibt er stets ein „Meep, meep“ von sich. Ähnlich wie die Zeichentrick-Kontrahenten dürfte sich am Dienstag Erling Haaland gefühlt haben. Als Dortmunds Knipser in Minute 33 David Alaba abgeschüttelt hatte und aufs Münchner Tor zulief, schoss plötzlich Davies heran und stoppte ihn. In einer 30er-Zone wäre es eng geworden für Davies: Der Tacho zeigte 35,3 km/h an. Den Bundesliga-Rekord hält BVB-Flügelflitzer Achraf Hakimi (36,52) – noch.
Übrigens: Den Marokkaner in Diensten der Dortmunder legte Davies am Dienstag wie schon im Hinspiel an die Kette. Unter anderem mit 42 Sprints in 90 Minuten. Trotzdem weiß der Kanadier, woran er in Zukunft zu arbeiten hat. Er erklärte: „Als junger Spieler werde ich oft auf dem falschen Fuß erwischt, wenn ich meine Position verlassen habe. Da bin ich froh, dass ich die Geschwindigkeit habe, die ich habe. Ich denke, dass ich im Laufe der Jahre mit diesem Team mehr über meine Position lernen werde und mich besser positioniere.“
Wie unsere Zeitung erfuhr, gaben die taktischen Mängel einst sogar den Ausschlag dafür, dass sich ein anderer Bundesligist gegen die Verpflichtung von Davies entschied. Neben dem FC Bayern hatte auch der FSV Mainz 05 den Spieler der Vancouver Whitecaps unter die Lupe genommen. Schnelligkeit und Physis waren überzeugend, doch Davies wurde das taktische Niveau für die Bundesliga abgesprochen. Ein weiterer Punkt: Mainz kann es sich nicht erlauben, mal eben zehn Millionen Euro für einen Rohdiamanten wie Davies zu bezahlen. Mittlerweile ist klar: Er wäre dieses Geld wert gewesen. jau