München – Jede andere Antwort hätte überrascht. „Meinen Sie wirklich, ich mache mir darüber Gedanken?“, fragte Hansi Flick am Freitag, als er auf die Absage einer möglichen Meisterfeier auf dem Marienplatz angesprochen wurde. Natürlich ist dem Trainer bewusst, dass die Party zu seinem ersten Titel mit dem FC Bayern anders ausfällt als gewohnt, natürlich weiß er, dass die Lederhose wohl im Schrank bleiben und nur intern angestoßen werden wird. Aber über all das wird der 55-Jährige frühestens reden, wenn die Verfolger den Serien-Meister auch rechnerisch nicht mehr einholen können. Sieben Punkte Vorsprung – wie vor der Partie gegen Fortuna Düsseldorf an diesem Samstag (18.30 Uhr) – sind schön. Mehr aber auch nicht.
Der Coach will Vorbild sein, denn auch er selbst hat sich freilich seit Dienstag, seit dem 1:0 beim Liga-Gipfel gegen Borussia Dortmund, damit beschäftigt, wie es an den verbleibenden sechs Spieltagen nun weitergehen soll. „Ich mache mir schon Gedanken“, führte er in der virtuellen Pressekonferenz aus, „wie man die Spannung hochhalten kann.“ Im Liga-Endspurt ist das nichts Neues, es gab Zeiten, in denen die Bayern nach der Blitz-Meisterschaft unter Pep Guardiola („Die Bundesliga ist für uns vorbei“) plötzlich besiegbar wurden. In Geisterspiel-Zeiten aber, das hört man ja seit Wochen, zählt die Mentalität so viel wie selten zuvor. Flick hat daher bei der Gegnerbesprechung eindringlich darauf hingewiesen, dass die Düsseldorfer (Tabellenplatz 16) „gut sind, wenn man sie lässt“. Und er geht auch davon aus, dass die Nachricht angekommen ist. „Ich habe bei den Videos gespürt, dass die Spieler gemerkt haben, dass sie nicht leicht zu bespielen sind“. Er sei „guter Dinge“, dass sein Team auch in der vierten Geisterpartie „einbringt, was wir in den letzten Spielen gezeigt haben“ und den „big point aus Dortmund verstärkt“.
Die Bundesliga-Geisterbilanz – in 27 Partien gab es nur fünf Heimsiege – haben die Bayern zu Hause nicht entscheidend geprägt. Das erste Spiel in der leeren Allianz Arena endete vergangenen Samstag mit 5:2 gegen Frankfurt, „die Mannschaft ist im Soll, ich bin zufrieden“, sagte Flick. Er meinte damit die maximale Ausbeute nach der Corona-Pause, aber auch das Fitnesslevel. Neben den Langzeitverletzten Niklas Süle („auf gutem Weg“), Philippe Coutinho („demnächst Mannschaftstraining“) und Corentin Tolisso („step by step“) fehlt gegen Fortuna nach wie vor Thiago. Die Adduktorenprobleme scheinen hartnäckig, beim Spanier aber hofft Flick, „dass er am schnellsten wieder zurückkommt“. Der Rest ist fit.
Immerhin fünf Tage lagen in dieser Englischen Woche ja zwischen den beiden Spielen. Der Dienstag war aber kaum mehr ein Thema. Die Bayern sind erleichtert und auch ein bisschen stolz, der Austausch untereinander aber ist derzeit nicht so intensiv wie sonst. „Training und Spiel – diese zwei Dinge vereinen uns“, sagte Flick, aber „mal beim Essen dazusetzen? Das ist momentan nicht der Fall.“ Einzelgespräche fanden daher auch im Lauf dieser Woche nicht im Arbeitszimmer, sondern auf dem Rasen statt. „Wenn der Vorhang am Trainingsplatz mal zu ist, bei einer gewissen Privatsphäre“ nimmt Flick sich seine Spieler zur Seite.
Man gewöhnt sich langsam an die neue Situation. Die Kommunikation auf dem Feld gefalle Flick, sagt er, im Spiel greift der Trainer weniger bzw. anders ein als früher. Weil die „Emotionen fehlen“, vor allem als Motivator. Im Optimalfall übrigens bis Ende August, bis das Finale der Champions League ansteht. Über die Pläne bis dahin – wohl „zehn Tage Urlaub“ nach Bundesliga- und Pokal-Ende – sprach er aber nur kurz. Zur Erinnerung: „Die Bundesliga ist entscheidend, da liegt mein Fokus.“