München – Knapp drei Monate, genau gesagt 85 Tage werden am Sonntag vergangen sein seit dem 3:0-Sieg der Löwen bei Carl Zeiss Jena. Die damalige Spielunterbrechung im Ernst-Abbe-Sportfeld wegen Anti-Hopp-Transparenten der Ultras – Geschichten wie aus einer anderen Zeit. Einer Zeit, an die die Sechziger nach der endlos anmutenden Corona-Pause sportlich nahtlos anknüpfen wollen – der Tabellenführer kommt da als Gegner gerade recht.
„Duisburg ist die stärkste Mannschaft in der Liga“, sagt 1860-Trainer Michael Köllner. „Sie haben die zweitmeisten Tore erzielt. Da müssen wir uns mächtig strecken, aber wir sind bereit,“ So sieht es freilich auch Köllners Kollege Torsten Lieberknecht: „In der Mannschaft ist eine große Bereitschaft, den Kampf anzunehmen. Alle wollen das große Ziel Aufstieg erreichen.“
Für die aktuelle Form gibt es mangels Testspielen keine belastbaren Daten, kraft der (alten) Zahlen liegt die Favoritenrolle eher bei den Löwen. Ihrer imposanten Serie von 14 Spielen ohne Niederlage haben die Zebras nichts Erbauliches entgegenzusetzen. Im Gegenteil: Von den letzten vier Spielen vor der Unterbrechung verlor der MSV drei, in der Auswärtstabelle belegen die Duisburger nur Rang neun. Ein Fakt, der sich in Geisterspiel-Zeiten selbstredend relativiert. „Natürlich fehlen Zuschauer und Atmosphäre. Das geht unter die Haut, wenn die Lieder angestimmt werden“, sagt Köllner. „Deshalb müssen wir Lösungen suchen, uns maximal aufs Spiel konzentrieren und uns als Mannschaft gegenseitig unterstützen. Aber wir wissen, dass 50 000 bis 60 000, die zu Hause am Fernsehen oder Radio mitfiebern, bei uns sind.“
Greifbarer sind die Finanzen. „Wir haben die restlichen sechs Heimspiele mit jeweils 15 000 Zuschauern in der Kalkulation“, sagt 1860-Sportgeschäftsführer Günther Gorenzel. Durch den Verzicht der Dauerkarten-Inhaber auf Rückerstattung und den Verkauf von „Geistertickets“ sei bereits ein Drittel der sonst ausfallenden Zuschauereinnahmen kompensiert. „Es wäre schön, wenn wir alle 90 000 Tickets an die Frau und den Mann bringen könnten und sechs Mal ausverkauft wären. Andernfalls wird es schwierig, unseren Etat für die Saison 2020/2021 beibehalten zu können.“
Zur Kaderplanung: Mit Sascha Mölders (35) soll verlängert werden, vor dem Abschied steht dessen Sturmkollege Markus Ziereis (27), der sich mit Regionalligist SpVgg Bayreuth auf einen Zweijahresvertrag plus Option geeinigt haben soll. LUDWIG KRAMMER