Pläne für die Königsklasse

Die Nachteile des Vorreiters

von Redaktion

HANNA RAIF

Die Welt blickt nach Deutschland, so sagte man es vor zwei Wochen, und die Resonanz auf den ersten Geister-Spieltag der Bundesliga bestätigte das. In England, Spanien, Italien und allen anderen pausierenden Fußball-Ländern saßen nicht nur Fans, sondern auch Profis und Funktionäre neidisch auf der Couch. Das „Made in Germany“ – um das Corona-Dauerbrenner-Zitat von Karl-Heinz Rummenigge aufzugreifen – wurde mit dem Re-start des Profifußballs wiederbelebt; das Hygienekonzept der DFL diente in Europas Ligen als Vorbild und Maßstab. Mit der Konsequenz, dass nun auch die anderen nach und nach wieder starten – und die Vorreiter aus Deutschland im Juli ein großes Terminloch haben.

Die letzte Bestätigung kam am Donnerstagabend: Auch in der Seria A wird der Ball ab 20. Juni wieder rollen. Wie die Engländer (17. Juni) und die Spanier (11. Juni) haben die Italiener den ehrgeizigen Plan, ihren Meister bis Ende Juli gefunden zu haben. Sollte dieser funktionieren, wird der August zum geballten Champions-League-Monat. Die UEFA will die ausstehenden Achtelfinal-Rückspiele noch im Juli durchzuführen, ehe ab 8. August die Viertelfinals und Ende des Monats Halbfinals und Endspiel stattfinden. Mehr als ein Jahr, nachdem die Saison begonnen hat, könnte sie ein Ende finden.

Es ist nur logisch, dass sich alle Clubs, aber vor allem die verbliebenen deutschen Starter mit diesem Szenario bereits beschäftigen. Denn weil sie nach der Corona-Pause die Ersten waren, die wieder kicken durften, ist die Lage für den FC Bayern und RB Leipzig besonders verzwickt. Während der FC Bayern immerhin noch die Aussicht aufs Pokal-Endspiel – und damit eine acht Tage längere Saison – hat, werden für die Leipziger zwischen Liga-Ende und Champions-League-Start eineinhalb Monate vergehen. Ein großer Nachteil gegenüber Atletico, Real und Barcelona, Bergamo, Turin und Neapel, Manchester City oder Chelsea: Sie alle kommen bestens eingespielt.

Was bleibt also im Juli? Pausieren? Weitermachen? Wie so oft in Corona-Zeiten ist Kreativität gefragt. Eine, vielleicht zwei Wochen Urlaub sollen die Bayern planen, um dann gemeinsam den Fokus auf die Königsklasse zu richten. Immerhin geschieht all das in der Gewissheit, dass Paris und Lyon noch blöder dran sind. Sie hatten nach Liga-Abbruch dann knapp fünf Monate Pause – und sitzen Woche für Woche neidisch auf der Couch.

Hanna.Raif@ovb.net

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