Drei Wochen Bayer

von Redaktion

Ismet Akpinar verstärkt die Münchner Basketballer beim BBL-Finalturnier

VON PATRICK REICHELT

München – Am Ende blieb nicht einmal für den Geburtstag viel Zeit. Ismet Akpinar hatte zu viel zu tun. Der Umzug aus Istanbul nach Deutschland wollte organisiert sein. Und das ist alles andere als einfach in Zeiten, in denen schon das bloße Reisen problematisch ist. Der 25-Jährige atmet tief durch: „Echt stressige Tage.“

Aber der Aufwand könnte sich ja lohnen. Vom sechsten Juni an spielen Deutschlands beste Basketballer im Audi Dome den neuen Deutschen Meister aus. Und Akpinar wird dann das Trikot des wohl heißesten Titelanwärters FC Bayern überstreifen. Der Meister der beiden vergangenen Jahre holte ihn kurzfristig als Ersatz für den erneut verletzten Nihad Djedovic (Knie) an Bord.

Lange nachdenken musste der Nationalspieler über die Option nicht. Nach einer zweimonatigen Zwangspause nach dem vorzeitigen Saisonende in der Türkei, wo er in dieser Saison für Besiktas Istanbul spielte, hatte Akpinar ohnehin leise mit einem Platz beim BBL-Showdown geliebäugelt. Dass der Champion anklopfte, machte die Sache nur schöner: „Ein Verein wie Bayern ist für viele Spieler attraktiv.“

Und wer weiß, vielleicht klappt es ja am Ende mit seiner ersten Meisterschaft. Bislang hat der wurfstarke Guard einen Pokalsieg mit Alba Berlin als größten Erfolg in der Vita stehen. Anders als so manche Kollegen, die indes auch deutliche Skepsis gegenüber dem BBL-Konzept geäußert hatten, stören ihn die speziellen Umstände mit dem dichten Spielplan und dem Leben im Quarantäne-Hotel nicht. „Wenn du mit der Nationalmannschaft auf einem Turnier bist, dann bewegst du dich auch vor allem zwischen Halle und Hotel – das sieht dann auch nicht so viel anders aus.“

Körperlich fühlt er sich gerüstet, die zweimonatige Wartezeit in Istanbul hat Akpinar mit einem intensiven Fitnessprogramm überbrückt. Die größere Herausforderung wird es da schon sein, im knapp zweiwöchigen Crashkurs die Systeme zu verinnerlichen, an denen seine neuen Teamkollegen seit vergangenem Sommer feilten. Aber die Saison bei Besiktas Istanbul hat den Deutsch-Türken selbstbewusst geamacht. Vor allem seit dem Jahreswechsel spielte Akpinar in bestechender Form. „Eine so gute zweite Saisonhälfte habe ich noch nie gespielt“, schwärmte er. Die Sache hat ihm Lust auf noch Höheres gemacht. „Jeder will irgendwann in der Euroleague spielen“, sagte er, „und ich glaube, dass ich das Zeug dafür habe.“

Nicht auszuschließen, dass er das von Herbst an bei den Bayern versuchen kann, auch wenn die Vereinbarung „erst mal nur für diese drei Wochen gilt.“ So oder so wäre ein gutes Turnier nicht die schlechteste Empfehlung für die Dinge, die da kommen mögen. Der Mann, der vier Jahre lang in den Diensten des Münchner Erzrivalen Alba Berlin stand, könnte sich mit vielen Varianten anfreunden. Ein Verbleib in Deutschland ist eine Option, ob in München oder wieder bei Alba Berlin, das nach dem Corona-Abbruch der internationalen Saison wohl wieder in der Euroleague ran darf. Genauso wie die Rückkehr nach Istanbul, wo er Teile seines Hausstands sicherheitshalber bei seinem ebenfalls als Profi aktiven Bruder Mutlu unterstellte, oder auch eine Offerte aus Spanien – „ich kann mir alles vorstellen und ich bin auch jemand, der sich eigentlich überall schnell heimisch fühlt.“

Das trifft sich gut bei einem Mann, der gleich zwei Kulturen in seiner Person vereinigt. Akpinar hat türkische Wurzeln, hat aber den Großteil seines Lebens bislang in Deutschland verbracht. „Manche sagen, dass man dann nirgendwo wirklich zu Hause ist“, sagte er, „bei mir ist es umgekehrt. Ich fühle mich in beiden Ländern sehr wohl.“

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