„Ich hätte die Anteile nicht verkauft“

von Redaktion

Auer über voreilige Beschlüsse, Hoeneß als fairen Partner, Verschwörungstheorien und das Potenzial von 1860

Herr Auer, 15 Jahre Arena. Was löst das in Ihnen aus?

Der Übergang war für 1860 nicht ganz einfach. Da haben wir einige Stunden in den Containern verbracht. Es waren stressige Zeiten für mich, aber dann sehr erfreuliche.

Inwiefern erfreuliche?

Ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit der Arena.

Was fällt Ihnen da ein?

Mei, es ging los mit den Eröffnungsspielen. Aber auch an das erste Pflichtspiel gegen Hansa Rostock kann ich mich erinnern (4:1/Red.). Volle Bude (51 200). Da kommt immer Freude auf. Niederlagen gab es sicher auch, aber die haben wir weggesteckt.

Eigentlich ist 1860 ja mit Rückenwind in die Arena-Ära gestartet.

Speziell die Eröffnungsspiele sind mir in Erinnerung geblieben. Die Kulisse – einmalig! Die Arena ist einfach ein echtes Fußballstadion, ich bin heute noch voll überzeugt und begeistert.

Bedauern Sie es, dass 1860 relativ schnell die Anteile verkaufen musste?

Ja, sehr.

War es unausweichlich?

Nicht ganz, aber ich will da auch nicht nachkarten. Bevor ich damals in die Klinik gekommen bin, hatte ich mit Uli Hoeneß gesprochen. Wir hätten schon eine Möglichkeit gefunden, dass wir uns da als 1860 noch eine Weile über Wasser halten. Das Problem war ja, dass der Abstiegsfall nicht wirklich einkalkuliert war. Die ganzen Berechnungen waren ja nur für die Erste Liga. Unseren normalen Zahlungen sind wir auch nachgekommen, nur die Sonderzahlungen konnten wir nicht mehr stemmen.

Die Anteile verkauft hatte damals Stefan Ziffzer, der kurz zuvor Geschäftsführer geworden war …

Ich hätte die Anteile wahrscheinlich nicht verkauft. Ich glaube auch nicht, dass Bayern uns hätte hängen lassen. Klar gab es Termine für die Rückzahlung der Darlehen, aber die hätte man auch nach hinten verschieben können. Genauso wie sie Bayern später nach vorne verschoben hat. Das Stadion ist ja früher abgezahlt als es geplant war.

Würde es 1860 heute besser gehen in der Arena?

Das ist schwer zu sagen. Es war ja überhaupt schade, dass das so gekommen ist. Wir hatten alle fest dran geglaubt, dass wir es schaffen.

Mit anderen Worten: 1860 hätte nicht absteigen dürfen. Oder direkt wieder aufsteigen müssen.

Genau. Ein Knackpunkt war sicher, dass wir im vorletzten Spiel im Grünwalder einen Sonntagsschuss bekommen haben. Wenn wir damals direkt wieder aufgestiegen wären, hätte es anders ausgeschaut. Auf Dauer 2. Liga war einfach nicht möglich.

Tiefblaue Fans sind überzeugt, dass Bayern von Anfang an vorhatte, 1860 aus der Arena zu drängen. Eine Verschwörungstheorie?

Für mich schon. Hätte 1860 zum Zeitpunkt der Planung nicht die finanziellen Möglichkeiten gehabt, wäre die Arena nie gebaut worden. Die Verträge waren ja so gestaltet, nur: Wenn du deinen Zahlungen nicht nachkommst, bist du halt immer auf das Wohlwollen der Anderen angewiesen. Da ist schon auch viel falsch gemacht worden.

Sie wohnen in Rottach-Egern, Uli Hoeneß in Bad Wiessee. Treffen sich die ehemaligen Präsidenten manchmal bei einem Spaziergang am Tegernsee?

(lacht) Nein, aber wenn wir uns mal sehen, passt alles. Wir haben immer ein gutes Verhältnis gehabt und waren nie gegeneinander.

Blindes Verständnis unter Fleischproduzenten?

Ja, weil beide wussten, dass ein Wort einfach ein Wort ist. Ich kann nur sagen: Mir gegenüber war der Hoeneß immer ein fairer Partner. Ich habe auch nie ein schlechtes Wort über ihn verloren – und er nicht über mich. Leider haben das nicht alle auf der Löwen-Seite so gehandhabt.

Jetzt ist 1860 zurück in Giesing. Die richtige Entscheidung?

Auf Dauer ist es keine Basis mit 18 000 Zuschauern. Das Potenzial für mehr wäre da, aber was wollen sie jetzt machen?

Ein neues Stadion bauen?

Ein Bekannter hat mir mal eine Studie vorgelegt: Ein Stadion mit bis zu 50 000 Zuschauern wäre finanzierbar, auch für einen Verein wie 1860. Natürlich brauchst du einen starken Investor im Rücken und einen Platz von der Stadt oder von wem auch immer. Ich denke, das wäre ohne weiteres machbar.

Der politische Wille dürfte eher nicht vorhanden sein.

Nein, dazu gibt es auch bei 1860 zu viele Strömungen. Die einen wollen ja gar nicht aufsteigen, sondern in erster Linie im Grünwalder bleiben. Übrigens: Nach dem Abstieg hatte ich mich auch gegen das Olympiastadion ausgesprochen. Dort zu spielen, wäre wirtschaftlich nicht tragbar gewesen.

Also kann man in Giesing doch wirtschaftlich über die Runden kommen?

Wir haben damals Gewinn gemacht, aber wenn du in der Ersten Liga spielen willst, ist Schluss. Dann brauchst du ein vernünftiges Stadion. Und eigentlich muss ja das immer das Ziel sein für 1860.

Interview: Uli Kellner

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