Union Berlin
Sportlich liegt Union Berlin ohne Zweifel im Soll. 31 Punkte konnte der Aufsteiger bereits sammeln. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt zwar nur vier Punkte – aber mit Platz 14 hätten die Eisernen wohl vor der Saison nach 29 Spieltagen mehr als zufrieden auf den Endspurt geblickt. Doch wenige Spieltage, bevor das Märchen vom Ligaverbleib des etwas anderen Bundesligavertreters wahr werden kann, bekommt die Fassade der heiligen Union-Familie Risse.
In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass nicht nur Sebastian Polter sich gegen den vom Verein vorgeschlagenen Corona-Gehaltsverzicht sperrte, sondern auch einige weitere Köpenick-Kollegen. Ein Anwalt musste zwischen Profis und Chefetage vermitteln. Polter war dann derjenige, der bei seiner Haltung blieb und daraufhin von Union suspendiert wurde.
Nach der deutlichen 1:4-Klatsche am Wochenende gegen Borussia Mönchengladbach der nächste Aufreger: Der Zwillingsbruder von Torwart Rafal Gikiewicz lästerte auf Twitter öffentlich über Verteidiger Neven Subotic: „Bei Subotic sieht es aus, als ob er gestern aus dem Urlaub zurückgekehrt ist“, schrieb Lukasz Gikiewicz, der selber Fußball-Profi ist und in Jordanien spielt, noch während der ersten Hälfte. Ex-BVB-Star Subotic hat momentan bei Union einen schweren Stand. Gegen Gladbach wurde er zur Halbzeit ausgewechselt. Streit ums Geld und Lästerattacken – anscheinend wird aus Union Berlin langsam ein ganz normaler Profiverein.
Eintracht Frankfurt
Selbst hartgesottene Frankfurt-Fans mussten am Samstag eingestehen: Der 2:1-Auswärtserfolg beim VfL Wolfsburg war äußerst glücklich. 19:6 Torschüsse für die Gastgeber wies die Statistik nach Spielende aus. Solche Zahlenspiele werden allerdings zu Makulatur, wenn der erste von insgesamt sechs Frankfurter Schüssen auf den Wölfe-Kasten im Ziel landet. Die Begegnung – ein Gegenentwurf zum Heimspiel der Hessen unter der Woche gegen den SC Freiburg. Da erspielten sich die Frankfurter eine Torchance nach der anderen, zeigten eine ihrer besten Saisonleistungen, lagen aber Mitte der zweiten Halbzeit mit 1:3 hinten. Dank einer moralisch starken Schlussphase erkämpfte sich das Team von Trainer Adi Hütter noch ein 3:3. Ein Punkt, der nach der gezeigten Leistung jedoch zu wenig war. So wie die drei Zähler aus Wolfsburg zu viel waren. Mit dem Nachholspiel am Mittwoch gegen Werder Bremen hat die Hütter-Truppe die Chance, sich schnell wieder aus dem Abstiegskampf zu verabschieden, in den sie nach sechs sieglosen Spielen in Folge gerutscht war. Mit der Erfahrung aus Wolfsburg könnte die Ansprache des Trainer so ausfallen: „Jungs, nicht vergessen: Schlecht spielen und knapp gewinnen!“
Hertha BSC Berlin
Zehn Punkte von zwölf möglichen. Drei Spiele ohne Gegentor. Nur vier Punkte Rückstand auf die internationalen Plätze. Das sind die nüchterne Zahlen der bisherigen Amtszeit von Bruno Labbadia bei Hertha BSC Berlin.
Berauschen kann sich der neutrale Fußball-Liebhaber an dem Spiel der Hauptstädter immer noch nicht. Aber für berauschende Zustände war ja auch sein Vorgänger Jürgen Klinsmann zuständig. Bis der Verein mit einem schrecklichen Kater aufgewacht ist und zur Nur-keine-Experimente-Variante Labbadia überging.
Labbadia scheint auf einen Kader zu treffen, der dankbar für klare Anweisungen und strukturiertes Arbeiten ist. Selbst der vielgescholtene Facebook-Live-Irrlauf von Salomon Kalou konnte Labbadia zum Start seiner Hertha-Zeit nicht aus der Ruhe bringen. Wobei er hier Maß von seinen Spielern einfordert: „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass sie ihn einladen und ihm einen schönen Abschied geben soll, wenn die Saison vorbei ist. Er ist Mensch, er hat einen Fehler gemacht. Aber wir mussten einfach in unserer Situation eine klare Linie fahren.“ Klare Werte, unaufgeregtes Arbeiten und erfolgreicher Fußball – an Labbadia muss man sich in Berlin erst gewöhnen. DANIEL MÜKSCH