Eigenwerbung misslungen

von Redaktion

Die erneute Blessur ist für Hernandez ein echter Rückschlag – Lob für Nutznießer Cuisance

VON HANNA RAIF

München – „Komm, Mika“, „auf geht’s, Mika“, „weiter, Mika“ – so oder so ähnlich schallte es beim 5:0 des FC Bayern gegen Fortuna Düsseldorf in der zweiten Hälfte in Dauerschleife durch die verwaiste Allianz Arena. Die Worte an Michael Cuisance kamen aus den eigenen Reihen und waren nur nett gemeint. Die Häufigkeit der Ansagen an den 20 Jahre alten und durchaus kritisch beäugten Franzosen aber offenbarten, dass er in diesem Team voller Topstars in bester Verfassung noch arbeiten muss, um eine ernsthafte Option für die Startelf zu werden.

Ohnehin hatte es überrascht, dass Cuisance gleich 45 Minuten randurfte. Als „Belohnung für seine sehr, sehr guten Trainingsleistungen in den vergangenen Wochen und Monaten“ erklärte Flick seine Maßnahme. Der ehemalige Gladbacher, dem man nachsagt, seinen Beruf manchmal nicht ganz so professionell auszuführen wie nötig, habe eine „positive Entwicklung genommen“, die Überlegung, ihm Spielpraxis auf hohem Niveau zu geben, hatte Flick schon im Laufe der Woche angestellt. Dass es nach bisher höchstens 19 Bundesliga-Minuten am Stück nun gleich eine ganze Halbzeit wurde, lag aber vor allem daran, dass Lucas Hernandez zur Pause in der Kabine blieb.

Flick wechselte nicht Jerome Boateng oder Javi Martinez ein, sondern zog Joshua Kimmich in die Innenverteidigung. „Michael wäre eh früher reingekommen, aber wir haben die Verletzung von Lucas genutzt und ihn auf die Acht gestellt. Meiner Meinung nach hat er das sehr gut gemacht“, erklärte der Coach. Das Lob für Cuisance ging angesichts des Wortes „Verletzung“ allerdings fast unter. Denn es hörte sich doch so an, als seien die „Adduktorenprobleme“ bei Weltmeister Hernandez nicht ganz so harmlos. „Das Risiko war zu groß“, sagte Flick, die Muskulatur hatte zugemacht. Eine genauere Diagnose gab es nicht, die Bayern halten sich da vage. Allein der Blick auf Thiago aber zeigt, dass sich eine derartige Blessur durchaus ziehen kann. Der Spanier fehlte gegen Düsseldorf zum dritten Mal in Folge.

Gerade bei Hernandez schaut man ja genauer hin. Denn auch der Einsatz am Samstag rührte daher, dass Boateng ebenso angeschlagen war und seinen Platz neben Abwehrchef David Alaba zur Verfügung stellte. Der Franzose stand erstmals seit Februar in der Startelf, er wollte Eigenwerbung betreiben. Er machte seine Sache gut, mit wenigen Ausschlägen nach oben und unten. Im Zweikampf war er präsent, einige Bälle nach vorne jedoch kamen nicht an. Jede Minute auf dem Feld zählt für einen gebeutelten Spieler, der erneute Rückschlag passt da gar nicht in den Plan.

So oder so hatte Flick ja zuletzt immer wieder betont, eine funktionierende Viererkette ungern auseinanderzureißen. Hernandez, 80 Millionen Euro schwer, ist da ein echtes Luxusproblem. Nach nur neun Pflichtspieleinsätzen in der Hinrunde, einer Knie- und einer Fußverletzung sollte es im Saison-Endspurt für ihn bergauf gehen. Seine Klasse jedoch konnte der 24-Jährige bisher nicht zeigen.

Was Hernandez immerhin Hoffnung machen kann: Dass die Saison sich zieht und die Champions League heuer erst im August ansteht. Wer hätte schon vor der Corona-Pause gedacht, dass Cuisance plötzlich 45 Minuten randarf? In zwei Monaten kann sich einiges ändern.

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