München – Die Bilder des Spiels waren jetzt drei Tage aktuell, denn Hansi Flick hat eigenmächtig dafür gesorgt, dass sie lange im Gedächtnis bleiben. Die Idee war dem Trainer des FC Bayern bereits während der zweiten Halbzeit des 5:0 gegen Fortuna Düsseldorf gekommen, also machte der nach Schlusspfiff Nägel mit Köpfen. Er rief seine Spieler zusammen, ließ sie einen Kreis bilden und sagte ihnen, was sie gerne hörten. Dass er stolz auf sie sei, hochzufrieden, und dass sie am Sonntag und Montag freimachen sollen. Pfingsten zuhause, das war die Belohnung für einen nahezu perfekten Arbeitstag, der die Bayern der achten Deutschen Meisterschaft in Serie wieder ein Stück nähergebracht hat.
Heute geht es also weiter, „wir richten die volle Konzentration auf das Spiel gegen Leverkusen“, erklärte Flick. Der Trainer aber hat ohnehin – anders als seine Spieler – auch in den vergangenen beiden Tagen nicht wirklich frei gemacht. „Ich fahre an die Säbener Straße“, hatte er angekündigt. Die Seele baumeln lassen, das ist mitten in der Saison nichts für ihn, auch nicht nach dem vierten Sieg nach der Corona-Pause, bei dem er weitere Bestmarken aufgestellt hat. Für Flick war es der 22. Sieg im 25. Pflichtspiel, 86 Treffer nach 29 Spieltagen sind unerreicht, 0,64 Gegentore pro Spiel europaweit spitze. Höchstens drei Siege aus fünf Spielen sind für den Meistertitel noch notwendig. Immerhin „eine gute Ausgangsposition“ sieht nun auch er, der notorische Euphorie-Bremser.
Denn auch Flick hat ja verfolgt, was weit über die leeren Tribünen der Allianz Arena Eindruck machte. „Man sieht, wie ehrgeizig und hungrig wir sind, dass wir kein Stück nachlassen“, sagte David Alaba. Damit sprach er jeden Einzelnen an. Robert Lewandowski etwa, der mit seinen beiden Treffern den Fluch – die Fortuna war der einzige Bundesligist, gegen den er noch torlos war – besiegte. Benjamin Pavard, der ein Eigentor provozierte und später selbst traf. Alphonso Davies, der rannte und rannte und auch noch ein Tor schoss. Vier Tage nach dem „Big Point“ in Dortmund hatte der Rekordmeister weiter, immer weiter gemacht. Selbst als es schon 5:0 stand, ärgerte sich Thomas Müller lautstark über eine vergebene Chance gegen die unterlegenen Rheinländer. Er verließ das Feld später mit den Worten: „Jetzt kriege ich wieder einen Anschiss daheim.“
Es ist diese Mischung aus unbedingtem Willen, aber gleichzeitig Spielfreude und Lockerheit, die die Bayern derzeit noch unantastbarer wirken lässt. „Es macht Spaß, in dieser Mannschaft Fußball zu spielen“, sagte Alaba. Und es macht vor allem Lust auf mehr. Uli Hoeneß sieht das Team schon jetzt „an der Schwelle zu einer neuen, tollen Generation“. Diese Bayern wollen – und können – mehr sein als der Meister der Geister. hlr