Weltweite TV-Zuschauerzahlen sind nicht seriös zu erheben, allenfalls zu schätzen – also werden wir nicht erfahren, ob die re-gestartete deutsche Fußball-Bundesliga das von Karl-Heinz Rummenigge global angestrebte „Milliardenpublikum“ erreicht hat. Verlässlich aber sind die Messungen innerhalb Deutschlands. Und die lassen darauf schließen, dass sich der Boom um den Profifußball in seiner derzeitigen Not-Version schon wieder relativiert hat.
Obwohl am vergangenen Wochenende keine frei empfangbare Sky-Konferenz mehr im Angebot war, erreichte die ARD-Sportschau, die von dieser Konstellation profitieren müsste, nur noch 3,3 Millionen Zuschauer; in den Wochen zuvor waren es trotz Sky für alle 4,11 und 3,77 Millionen gewesen. Und beim Pay-TV-Anbieter Sky sind die Quoten wieder auf Normalmaß, neue Kundschaft ist durch die Werbeaktion vom 26. und 27. Spieltag nicht dazugekommen.
Welche Schlüsse wir daraus ziehen können? Vielfältige. Am 16. Mai, als es losging, erfasste die Neugierde, wie dieser Fußball ohne Zuschauer aussehen und sich anfühlen könnte, auch die, die es eher ablehnten, dass der mächtigste Sport mal wieder eine Sonderrolle zugestanden bekommt. Es ereignete sich etwas Historisches, man wollte dabei sein. Und dann herrschte an der Tabellenspitze ja auch noch Spannung – mehr jedenfalls als in den Jahren davor.
Die Illusion, dass es einen anderen Meister geben könnte als den FC Bayern, ist mit dem unter der vergangenen Woche ausgetragenen 28. Spieltag und dem Münchner Sieg in Dortmund dahin. Überdies bergen die Geisterspiele wenig sportliches Sensationspotenzial. In der Regel gewinnt das besser ausgestattete Team, dem Außenseiter fehlt die Beflügelung von den Rängen. So entwickelt auch jedes Spiel den gleichen Sound. Es hallt in Paderborn, es hallt in München. Jedes Stadion wird zum „neutralen Platz“. Neutral ist fad.
Und schließlich hat die Bundesliga den Status als alleiniger Freudenquell in der Zeit der Pandemie verloren. Anfang Juni ist das Leben schon wieder ein reichhaltigeres als Mitte Mai, und mittlerweile ist das Angebot an Fußball um die 3. Liga und die Frauen erweitert; eigentlich ist schon fast jeden Tag wieder irgendein relevantes Spiel. Es geht Richtung Fußball-Überdruss.
Guenter.Klein@ovb.net