Alles muss besser werden

von Redaktion

Bayerns Basketballer starten mit einem 85:95 gegen Ulm – die Pleite soll ein Weckruf sein

VON PATRICK REICHELT

München – Am Tag danach hatte Oliver Kostic seine Fassung so einigermaßen wieder gefunden. „Es ist manchmal nicht leicht, in so ein Turnier zu finden“, sagte der Trainer der Basketballer des FC Bayern, „aber ich hoffe, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen. Und dass das ein Weckruf war.“

Was schon Einiges aussagt, über diesen 85:95 (40:41)-Fehlstart des Titelverteidigers ins Final-10-Turnier der Bundesliga gegen Ulm. In einem Spiel, in dem die Bayern vor allem den Eindruck erweckten, dass sie die wackelige Vor-Corona-Form auch in der Zwangspause erschreckend nahtlos konserviert haben. Teilweise uninspiriert, meist ohne Biss mussten sich die Spieler um Kapitän Danilo Barthel quirligen Ulmern beugen, über die auch Experte Demond Greene im Autokino am Flughafen sagte: „Sie wollten es mehr.“

Und die nächsten Bayern-Gegner aus Crailsheim (heute, 16.30 Uhr), Göttingen (Freitag) und Oldenburg (Sonntag) werden mit Interesse verfolgt haben, wie der gar nicht so meisterliche Meisterfavorit aus der Spur zu bringen war. Ulm packte in der eigenen Zone ziemlich entschlossen zu und drückte vorne aufs Tempo. Vor allem Letzteres machte den Bayern schwer zu schaffen. Bemerkenswert leicht wuselten die Schwaben um Tyler Harvey (21 Punkte) und Corona-Neuerwerbung Thomas Klepeisz (17) immer wieder zum Korb durch. Fast zwei Drittel der Versuche aus kurzer Distanz saßen. „Wir wollten aggressiv sein, aber wir waren da viel zu soft“, murrte Kostic, „und wenn du keine Stops kriegst, dann kriegst du auch keine leichten Punkte.“

Dem mit ziemlich blassem Gesicht aus der leeren Halle schleichenden Coach war freilich auch nicht allzu viel eingefallen, um das Unheil vielleicht doch abzuwenden. Dem eigentlich defensivstarken Zugang Ismet Akpinar wollte Kostic noch nicht vertrauen, der frühere Ulmer durfte als einziger Profi an diesem Abend überhaupt nicht ins Geschehen eingreifen. „Ismet ist neu im Team“, sagte Kostic, „er wird im Turnier ganz sicher noch wichtig werden für uns.“

Wobei der Nationalspieler auch offensiv kaum zum größeren Problem für sein neues Team hätte werden können. Nicht zuletzt Sportchef Daniele Baiesi hatte das kreative Vakuum ja als eines der größten Probleme der Vor-Corona-Zeit ausgemacht. Doch wirklich ideenreicher waren die Bayern auch gegen Ulm nicht. Die Kreativspieler wie Maodo Lo, TJ Bray, Diego Flaccadori oder Zan Mark Sisko erwischten allesamt einen ziemlich gebrauchten Abend. An dem sie auf dem Feld merklich nach Greg Monroe fahndeten, der bis zum Abbruch zumindest anspielbar war, wenn sonst gar nichts ging. Aber Monroe ist daheim in New Orleans, Matthias Lessort und Leon Radosevic konnten die großen Fußstapfen des früheren NBA-Stars bei weitem nicht füllen.

Wenn die Bayern irgendwo Bereitschaft für den ersten Showdown um den Titel zeigten, dann war es an der Dreierlinie. Vor allem der zuverlässige Serbe Vladimir Lucic (23 Punkte) zeigte hier mit optimalen vier Treffern aus vier Versuchen seine Klasse. „Aber das ist zu wenig, wenn du auf diesem Niveau spielen gewinnen willst“, sagte Kostic.

Und nicht nur dem Trainer war es Recht, dass der Wettbewerb schon heute mit dem Duell mit dem Überraschungsteam aus Crailsheim weitergeht. Wobei zumindest Maodo Lo gleich nach der Pleite gegen Ulm eine Ahnung hatte, wie es denn mit der Wende zum Besseren klappen könnte. „Alles muss besser werden“, murrte der Nationalspieler, „denn wenn wir so spielen, werden wir nicht viel gewinnen.“

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