München – Es müsste schon viel passieren, damit Kingsley Coman sein europäisches Meisterschafts-Abo heuer nicht ausbauen könnte. Der Franzose wurde seit 2013 in jedem Jahr Meister. Seine ersten Jahre im Profi-Fußball bei Paris Saint Germain endeten 2013 und 2014 jeweils mit dem Titel. Danach wechselte Coman zu Juventus Turin, wo er 2015 den Scudetto gewann. Und seit der Saison 2015/2016 hat der Flügelflitzer mit dem FC Bayern jedes Jahr die Schale geholt. Aktuell steuert Coman mit dem deutschen Rekordmeister also auf seinen fünften Bundesliga-Titel in Folge zu. Es wäre die achte Meisterschaft seiner Karriere – mit gerade einmal 23 Jahren.
Pünktlich zum Liga-Endspurt kommt Coman nun wieder in Fahrt, wie sein Auftritt beim 4:2-Sieg bei Bayer Leverkusen eindrucksvoll bewies. Bis zu dieser Partie stand das „hochsensible Rennpferd“, wie Ex-Trainer Jupp Heynckes den Franzosen einst nannte, im Schatten seiner Offensiv-Kollegen Robert Lewandowski, Thomas Müller und Serge Gnabry. Allerdings plagte sich Coman seit Ende des vergangenen Jahres mit einer Kapselverletzung und fiel dadurch fast drei Monate aus.
In Leverkusen gerieten die Bayern – selbst das widerfährt ihnen selten – in Rückstand. Trainer Hansi flick fand das frühe 0:1 nicht schlecht, „weil die Mannschaft sich dann aufgerappelt hat“ Für diese Stehauf-Mentalität stand Coman mit seinem Treffer zum 1:1-Ausgleich. Leon Goretzka schickte den pfeilschnellen Angreifer auf Höhe der Mittellinie auf die Reise. Coman nutzte sein Tempo gekonnt aus, lief mit Ball am Fuß seinen Gegenspielern davon und chippte ihn gekonnt und lässig an Leverkusen-Schlussmann Lukas Hradecky ins Tor. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Münchner seit sieben Spielen ohne Treffer gewesen.
Es war nicht die einzige Aktion des Spiels, in der der Nationalspieler nicht zu stoppen war. Den Treffer von Goretzka zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung leitete Coman mit einer Hacken-Ablage ein. Ansonsten gewann der Flügelstümer 70 Prozent seiner Zweikämpfe, verzeichnete die meisten Torschüsse (6) und erreichte das höchste Tempo aller Bayern-Spieler (35,0 km/h).
Ähnlich gute Zahlen wird Coman auch kommende Saison benötigen, wenn Leroy Sané aller Voraussicht nach für den FC Bayern spielen wird. Der Münchner Wunschspieler fühlt sich wie Coman auf der linken Außenbahn am wohlsten. Auch wenn es in den vergangenen Monaten wegen des anvisierten Sané-Transfers immer wieder Wechselgerüchte um Coman gab: Der FC Bayern wird ihn nicht abgeben – und der Spieler soll sich in Münchern wohlfühlen.
Die Bayern-Verantwortlichen wissen um die Stärken ihres Flügelstürmers, der insbesondere in Sprint-Duellen kaum zu stoppen ist. Zusammen mit Alphonso Davies als Außenverteidiger gibt es nur wenige Mannschaften, die auf der linken Außenbahn aktuell solch ein Tempo mitbringen wie der Rekordmeister.
Wenn der Sané-Wechsel erst einmal offiziell ist, können sich die Bayern-Anhänger also auf einen packenden Zweikampf auf dem linken Flügel freuen. Und da Konkurrenz bekanntlich das Geschäft belebt, blickt man beim FCB entspannt dem bevorstehenden Duell zwischen Sané und Coman entgegen. MANUEL BONKE