München/Berlin – Ein Leichtathletik-Wettkampf, ein Laufwettbewerb – endlich mal! Geschehen am Wochenende im Schmöckwitzer Werder, südlichster Zipfel Berlins, ohne Zuschauer, nicht auf der Bahn, sondern der Straße. Gelaufen wurden 10 Kilometer. Acht Männer, fünf Frauen, dazu ein paar Tempomacher, Startabstand der beiden Kleinfelder: zwei Minuten. Abgestimmt mit den Ämtern. Die Zeiten: ziemlich gut. Johannes Motschmann (Berlin) siegte in 29:11 Minuten, Alina Reh (Ulm) in 31:26 – nicht so weit entfernt vom Deutschen Rekord. „Die Athleten waren dankbar für dieses Rennen, denn sonst fehlen ihnen die Ziele“, sagt Mark Milde vom veranstaltenden SC Charlottenburg, der auch den Berlin Marathon, eine der größten Laufveranstaltungen weltweit, organisiert. Er ist der Race Director.
Das Berliner Einladungsrennen fiel just auf das Wochenende, an dem die Entscheidung des Deutschen Leichtathletik-Verbands publik wurde, bei den Deutschen Meisterschaften auf die Mittel- und Langstrecken zu verzichten. Mindestabstand könne nicht eingehalten werden in den Laufwettbewerben, in denen nicht jeder seine eigene Bahn hat, sondern sich Pulks und Gruppen bilden. Die 800 Meter, kürzeste Mittelstrecke, bei der man nach einem Viertel auf die Innenbahn strebt, sollen mit Kurvenvorgaben gelaufen werden, sodass jeder Starter komplett auf seiner Bahn bleibt. Es wird ein komplett neuer Wettbewerb.
Was bedeuten diese Regulierungen in der Leistungsspitze für all die breitensportlichen Veranstaltungen, die beliebten Volksläufe, die City-Marathons? In Berlin sind Großveranstaltungen bis 24. Oktober verboten (aktuell dürfen nur bis zu zwölf Personen zusammen Sport treiben), darum wurde auch der Marathon mit rund 40 000 Teilnehmern, der im September gewesen wäre und für den die Startplätze über Losverfahren vergeben werden, vorläufig (noch nicht endgültig) abgesagt. Die Herbstmarathons in Köln, München, Frankfurt sowie der vom Frühjahr in den September verlegte Hamburger Lauf über die 42,195 Kilometer stehen noch im Terminplan. „Ich hoffe, die können veranstalten.“
Kurioserweise haben es die kleineren Läufe leichter als die großen wie Berlin, wo die Teilnehmer dicht an dicht in Blöcken auf der Straße des 17. Juni stehen, auf den Startschuss warten und darauf, dass sich die Masse an Menschen in Bewegung setzt. Auf der Strecke zieht sich das Feld dann schon so weit auseinander, dass sich Abstände ergeben. „Aber in den Blöcken ist die Einhaltung des mindestabstands schwierig“, so Mark Milde.D
Unter den Bergläufen ist schon fast alles abgesagt, sogar der für Ende August vorgesehen gewesene Ultra Trail du Mont Blanc in Chamonix, bei dem sich 2600 Starter auf eine 170-km-Runde begeben. Durchziehen will es Davos, das Ende Juli zum Swiss Alpine Marathon, einem Ultralauf über 68 und 43 Kilometer lädt. Gestartet wird in Blöcken, die Verpflegungsstellen unterwegs werden reduziert. Alles eine Nummer kleiner. Doch ob so etwas auch in der Stadt funktionieren würde?
Die großen Marathon-Veranstalter bilden ein Netzwerk, sie tauschen sich aus. „Vielleicht“, hofft Mark Milde, „prescht einer mit der Idee vor, die die anderen übernehmen können.“ Derzeit sei „alles in Bewegung. Was in drei Monaten sein wird, wissen wir alle nicht.“