Am Wochenende hat Corona das Final 10 der BBL dann doch kurz eingeholt. Der Ludwigsburger Jaleen Smith musste wegen eines verdächtigen Testergebnisses dem Showdown von Deutschlands besten Basketballern zunächst fernbleiben. Das freilich sollte das einzige Nebengeräusch dieser ersten Turniertage sein. Okay, bis zur Meisterkür am 28. Juni ist noch ein Weilchen hin. Und doch kann man schon vorsichtig mutmaßen: Sie scheint aufzugehen, die Idee vom Quarantäneturnier. Der Kreislauf zwischen der abgeriegelten Bühne Audi Dome, der Trainingshalle im Bayern-Campus und dem Hotel funktioniert bislang reibungslos.
Und was sich sportlich tat in den ersten Tagen dieses Turniers, von dem sogar die ebenfalls an der Rückkehr feilende NBA aufmerksam Notiz nimmt, das macht allemal Lust auf mehr. Die Teams mögen sich teilweise personell verändert haben, doch die Basketballer meldeten sich mit schwungvollen Spielen zurück. Selbst Titelverteidiger FC Bayern bekam gegen Ulm gleich zu spüren: Wer nicht voll da ist, für den wird es bei diesem außergewöhnlichen Saisonfinale nicht viel zu holen geben.
Umso bedauerlicher, dass die Bundesliga so manche Chance verpasst hat, die derzeitige Sonderstellung zu nutzen, um den Basketball noch stärker ins Licht zu schieben in einer Zeit, in der die quarantänemüden Menschen empfänglich sind für sportliche Unterhaltung. Das war schon im Vorfeld so. Statt für das Final 10 zu werben, machten sich – abgesehen vom kräftig kurbelnden Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic – die Basketball-Persönlichkeiten rar. BBL-Chef Stefan Holz etwa fiel erst vor wenigen Tagen mit seinen peinlichen Äußerungen über das Verbot politischer Meinungsäußerungen der Spieler beim Finalturnier so richtig auf. Was für ein Unterschied zum Fußball, wo der emsige Christian Seifert zum Gesicht des Neustarts wurde.
Und das Turnier selbst ist abgesehen von sechs Gastspielen des Spartensenders Sport1 ein Fall für den Rechteinhaber Magentasport. Das Sport-Fernsehen der Telekom macht fraglos eine ganze Menge. Vom Liveerlebnis bis zum Blick ins Quarantänehotel, der Sender bietet Rundumversorgung. Doch es bleibt Fernsehen im Internet, (noch) ein Fall für Liebhaber.
Wenigstens das Nebengeräusch ist beseitigt. Jaleen Smith kehrte zu Wochenbeginn in sein Team zurück.
patrick.reichelt@ovb.net