Beschwingtes Geistertennis

von Redaktion

Turnier in Großhesselohe startet unter strengen Hygieneauflagen – Spieler zugleich Balljungen

VON JULIAN NETT

München – Mitte des ersten Satzes, erster Aufschlagsversuch für Daniel Masur. Der 25-jährige Münchner steht an der Grundlinie, wirft den Ball in die Luft und schlägt ihn mit voller Wucht ins Netz. Mit hängendem Kopf schleicht er in die Mitte des Leo-Benz-Centercourts in Großhesselohe, hebt die gelbe Filzkugel auf und trabt zurück an seine Ursprungsposition. Ballkinder gibt es bei der Vorrunde der DTB German Pro Series, die vom Deutschen Tennis-Bund kurzfristig als Ersatz für die Bundesligasaison ins Leben gerufen wurde, nicht.

Das Hygienekonzept sieht vor, dass die Akteure ihre Bälle selbst einsammeln. Ein Bild, das ein wenig an ein Trainingsspiel erinnert. „Es ist zwar eine kleine Umstellung, aber nicht der Rede wert“, schildert Masur die ungewohnte Situation. Als Veranstalter muss der TC Großhesselohe zahlreiche Auflagen erfüllen. Weitere Besonderheiten: Neben den beiden Kontrahenten darf sich nur die Schiedsrichterin auf dem Feld aufhalten. Die Betreuer müssen mit der Tribüne vorliebnehmen, Linienrichter gibt es keine. Auch sonst deutet nicht viel auf ein Aufeinandertreffen der deutschen Tennis-Elite hin. Es ist still rund um die Anlage im Süden Münchens. Zuschauer sind in der Vorrunde nicht zugelassen. Zwischen den Ballwechseln hört man plätschernden Regen und Vogelgezwitscher. „Das ein oder andere Match auf der Tour findet vor ähnlich wenig Zuschauern statt“, erzählt Masur. „Deshalb ist die Atmosphäre für mich gar nicht so fremd.“ Hochklassigen Sport gab es trotz der Umstände zu sehen. Masur und der Coburger Kevin Krawietz, 2019 French-Open-Sieger im Doppel, agierten in der Auftaktpartie, die wegen anhaltenden Nieselregens eine Stunde später begann, auf Augenhöhe. Nach einem 7:5, 7:5-Erfolg strahlte am Ende Masur. „Ich habe es besser gemacht als erwartet“, sagte er im Anschluss. Er sei froh, „mal wieder ein Turniermatch gehabt zu haben“. Im zweiten Spiel schlug Tobias Simon Lokalmatador Matthias Bachinger mit 6:4, 7:6.

Das Niveau des Herren-Sandplatzturniers, das an vier Standorten ausgetragen wird, ist hoch. 32 Teilnehmer, darunter Tennis-Größen wie Jan-Lennard Struff (in Neuss) und Cedric-Marcel Stebe (in Troisdorf), kämpfen bei dem mit 373 000 Euro dotierten Einladungsturnier um den Einzug in die Zwischenrunde. Wegen der ausbleibenden Einnahmen der letzten Monate sind die meisten Spieler auf das Preisgeld angewiesen. Am Freitag soll feststehen, welche 16 Gruppenersten- und zweiten sich qualifizieren.

Die Veranstalter rechnen mit einer wetterbedingten Verlegung einzelner Partien auf das Wochenende. Die Zwischenrunde findet ab 22. Juni statt – unter anderem wieder in Großhesselohe.

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