München – Regina Halmich kann gut mit den Leuten, das zeigt sie jetzt in ihrem neuen Leben. Sie ist Gesundheits-Ikone, Firmen und Versicherungen buchen sie, auch Kurhotels. Sie kommt dann mit dem Laptop und spult freundlich ihren Powerpoint-Vortrag ab: Was sie geschafft hat im Leben und dass man sich da was abschauen könne. Nicht kleinmachen lassen, nicht aufgeben, durch schwere Zeiten gehen, an sich glauben. Man hört ihr gebannt zu. Vielleicht auch, weil man ihr eine solche zweite Karriere, in der sie sich nicht über reine Körperlichkeit und messbare Leistung artikuliert, gar nicht zugetraut hätte.
Die Geschichte, die Regina Halmich erzählt, lautet: Von der Rechtsanwaltsfachangestellten, die in der Freizeit in Karlsruhe zum Kickboxen geht, zur Weltmeisterin im richtigen Boxen und zum festen Begriff in der Sportlandschaft. Bekanntheitsgrad: Wie Fußballstars. Mit einem – Martin Driller, Stürmer vom 1. FC Nürnberg – war sie auch mal zusammen. In Halmichs erfolgreichster Zeit hat man sich auch für ihre Liaisonen interessiert und aufgemerkt, wenn sie mit Schauspieler Benno Fürmann zu einer Veranstaltung kam.
Am 10. Juni sind es nun 25 Jahre, dass Regina Halmich den sportlichen Status erwarb, den sie in den folgenden zwölf Jahren nicht mehr hergab: Weltmeisterin. Die ersten sieben Kämpfe als Boxprofi bestritt sie daheim in Karlsruhe, in Bruchsal, Köln-Deutz. Der neunte führte sie nach Las Vegas, wo sie von der Amerikanerin Yvonne Trevino ziemlich zugerichtet wurde. Es blieb die einzige Niederlage, knapp zwei Wochen später wurde sie Weltmeisterin, von den folgenden 45 Kämpfen gewann sie 44. Für das eine Unentschieden gegen Elena Reid (USA) revanchierte sie sich später mit einem Sieg. Als sie am 30. November 2007 abtrat, ließ ihr der Weltverband den Champions-Gürtel, der eigentlich ein Wanderpreis ist. Halmichs Regentschaft war zu prägend gewesen. Sie nimmt den Gürtel immer zu ihren Vorträgen mit.
Doch sie muss nicht beweisen, was sie war. Man kennt sie aus dem Fernsehen. Wobei es für Halmich nicht einfach war, ins Programm zu kommen. Das ZDF hatte einen Vertrag mit der Hamburger Universum Promotion abgeschlossen – wegen deren Stars Wladimir und Vitali Klitschko, wegen Dariusz Michalczewski, Auch Regina Halmich diente im Boxstall des Großgastronomen Klaus-Peter Kohl, sie bekam 3500 D-Mark pro Monat und musste sich im Gym neben 25 Männern behaupten. „Finanziell war ich kein Risiko“, sagt sie. Das ZDF zeigte einen Kampf von ihr um halb zwei Uhr nachts. „Damit hatten sie 1,5 Millionen Zuschauer und einen sensationellen Marktanteil – und sagten, sie hätten immer an mich geglaubt.“
Sie steigt auf zur Hauptkämpferin, beste PR auf dem Weg dorthin ist ein Showkampf mit dem Entertainer Stefan Raab 2001 in dessen ProSieben-Show „TV total“. „Es war ein Risiko, denn ich hätte gegen einen Mann auch verlieren können.“ Doch sie brach Raab, 30 Kilo schwerer als sie, vor 7,5 Millionen Zuschauern live die Nase.
Als Star war sie dann die Gejagte. Mit Nadja Loritz aus Koblenz wollte ihr plötzlich eine den Markt streitig machen; es wurde ein gehässiges Duell. Halmich gewann es – wie auch gegen die glamouröse Daisy Lang, die in einigen wüsten Actionfilmen mitspielte. Die Königin verteidigte ihren Thron.
Heute ist Regina Halmich 43. Dass sie Boxerin war, sieht man ihr allenfalls ein wenig an der linken Wange an. Sie ist nahezu perfekt durch ihre Pioniers-Karriere gekommen und noch immer der Maßstab für Erfolg im Frauenboxen: Eine, die sich gut vermarktete, sich aber immer als Sportlerin sah und nicht als Showgirl.
Ihr Beruf ist es, Regina Halmich zu sein. Ältere Zuhörer bei ihren Auftritten begrüßt sie als „mein ZDF-Publikum“. Danach gehen die Leute ohne Scheu zu ihr, denn sie ist nahbar und nett wie eine Rechtsanwaltsfachangestellte.