München – Was soll da eigentlich schiefgehen? Genau diese Frage werden sich die Anhänger des FC Bayern stellen, wenn Sie heute Abend um 20.45 Uhr ihren Fernseher einschalten und sich die Partie ihrer Mannschaft gegen die Frankfurter Eintracht ansehen. Pokal-Halbfinale – klingt zunächst nach Drama bei Flutlicht. Doch beim Blick auf die Zahlen der Bayern flacht der Puls wieder ab: Seit dem Neustart gab es fünf Spiele, fünf Siege, 17 Tore. Pokalgesetze hin oder her: Alles andere als ein Sieg gegen den Tabellenelften der Liga, der zuletzt eine 0:2-Heimniederlage gegen Mainz kassierte, wäre unter der Kategorie Pokalwunder einzuordnen.
Das weiß auch Hansi Flick, der jedoch in gewohnter Manier seinen mahnenden Zeigefinger erhebt. „Im Fußball kann alles sehr schnell gehen. Die Eintracht hat enorme Qualität, spielt leidenschaftlich und setzt den Gegner unter Druck“, erklärte der Cheftrainer, dessen Spieler erstmals die neuen rot-weißen Trikots tragen werden. Er weiß natürlich, dass diese Partie ein Schritt Richtung Nummer zwei des Titel-Drillings sein muss.
Das Wort Triple vermeidet man ja gerne an der Säbener Straße, wobei der Rundum-Erfolg dieses Jahr greifbarer denn je ist. In der Bundesliga können die Münchner theoretisch bereits am Samstag zum achten Mal in Folge die Schale sichern. Ein Sieg gegen Gladbach, eine Dortmunder Niederlage in Düsseldorf – und Bayern ist Meister.
Und dann? Wartet ein wahrer Marathon. Das Pokalfinale steigt am 4. Juli. Sollten die Bayern heute also ihren 24. Sieg aus 27 Partien unter Flick einfahren, ginge es bereits eine Woche nach dem letzten Bundesliga-Spieltag um Titel Nummer zwei. Bis es allerdings in der Champions League weitergeht, wo die Bayern nach dem 3:0-Sieg bei Chelsea im Februar bereits mit anderthalb Beinen im Viertelfinale stehen, zieht ein gesamter Monat ins Land. Kommende Woche will die UEFA bekannt geben, wann, wo und in welcher Form die Königsklasse zu Ende gespielt wird. Klar ist: Das Turnier soll im August durchgepeitscht werden.
Womit sich die Frage stellt: Wie soll man die spielfreien vier Wochen überbrücken? Erst einmal mit Urlaub. Flick: „Wir müssen gucken, ob wir im Pokalfinale stehen. Je nachdem wäre es eine Woche mehr oder weniger Pause. Klar ist aber auch, dass die Mannschaft in diesen sieben, zehn oder 14 Tagen nicht allzu viel verliert. Die Spieler bekommen auch einen Trainingsplan mit, entscheidend ist aber, dass die Mannschaft einfach mal den Kopf frei bekommt. Das ist mit das Wichtigste nach so einer Saison, weil wir jetzt eigentlich ohne Pause durchtrainieren. Die Mannschaft darf daher auch mal in der Situation sein, dass sie die Beine hochlegt, regeneriert und auch mental runterfährt. Das ist ganz normal.“
Normal wäre es auch, wenn die Mannschaft nach einem Monat ohne Spielpraxis aus dem Tritt käme. Im Gegensatz zu den Champions-League–Teilnehmern aus Spanien, Italien und England, die erst jetzt nach und nach den Ligabetrieb wieder aufnehmen, käme dem Rekordmeister der Rhythmus abhanden. Gut vorstellbar also, dass die Münchner nach dem Kurzurlaub auch das ein oder andere Testspiel vor der Wiederaufnahme der Königsklasse austragen. JOSÉ CARLOS MENZEL LÓPEZ