München – Der Mann des Abends wurde nach Abpfiff gleich zum Mahner. „Das komplette Team vermisst Greg Monroe. Doch nicht nur ich muss ihn ersetzen, das müssen wir als Kollektiv schaffen“, sagte Mathias Lessort nach dem dominanten Sieg (110:79) über dezimierte Crailsheimer am Montagabend. Monroe, der kompakte Center, wurde im Auftaktspiel noch schmerzlich vermisst. Seine körperliche Präsenz unter dem Korb fehlte deutlich. In der Partie gegen die Merlins füllte Lessort die Lücke dann eindrucksvoll.
Mit 20 Punkten stellte der Franzose eine Karrierebestleistung auf, war in der Offensive stets anspielbar und in der Zone nicht zu stoppen. Doch auch in der Verteidigung packte der 24-Jährige zu, blockte, räumte zaghafte Crailsheimer Angriffsversuche mit seinen langen Armen ab.
Während des eng getakteten Turniers ist es kaum möglich neue Formationen einzustudieren. Umso wichtiger, dass die Münchner unter dem Korb nun eine verlässliche Anspielstation haben, die jederzeit für einfache Punkte sorgen kann. So lobte auch Coach Oliver Kostic seinen Schützling: „Für Mathias bin ich sehr froh, er hat viel an sich gearbeitet und muss das jetzt weiter tun.“ Denn der deutliche Erfolg über die Baden-Württemberger war nicht vielmehr als eine Pflichtaufgabe. „Es war ein erster Schritt“, sagte Kostic, „in einem langen Turnier.“
Und im weiteren Verlauf des Final 10 werden sich die Münchner weiter steigern müssen, um das Finale zu erreichen und die Chance auf die Deutsche Meisterschaft zu wahren. Hohe Erwartungen gibt es jedenfalls auch von prominenter Stelle: „Ich glaube, unsere Mannschaft hat begriffen, dass sie hier in der eigenen Halle, im Audi Dome, vielleicht doch noch mal die Deutsche Meisterschaft vom letzten Jahr zu wiederholen kann“, sagte Uli Hoeneß, der die Rolle des Titelfavoriten aber zugleich Alba Berlin zuschreibt. Neben den Hauptstädtern hat sich auch Ulm mit zwei deutlichen Siegen gegen München und Oldenburg in den Kreis der Finalkandidaten gespielt.
Trotz des klaren Siegs im zweiten Gruppenspiel hinken die Bayern den besten Teams also derzeit noch etwas hinterher. „Wir müssen unsere Eins-gegen-eins-Verteidigung verbessern, und auch beim Pick-and-Roll können wir noch einiges besser machen“, sagte Nationalspieler Ismet Akpinar. Besonders in den ersten sieben Minuten gegen Crailsheim verteidigte der FCBB fast schon lustlos, die Intensität fehlte. Nach einer klaren Ansprache von Kostic in der ersten Auszeit verbesserte sich das Defensivverhalten. Bei der Pleite gegen Ulm bekamen die Münchner schon einmal eindrucksvoll vorgeführt, wie schnell sich schwache Sequenzen in der Verteidigung rächen können.
Sollte Lessort seine Leistung auch gegen stärkere Teams bestätigen, kann er der Anker werden, der für Stabilität sorgt. Und zwar nicht nur durch spektakuläre Dunks, die er vielfach über die Spieler der Merlins donnerte, sondern vor allem durch hartes und konzentriertes Arbeiten am eigenen Korb. Doch alleine kann er das Münchner Spiel nicht tragen. Das ganze Kollektiv ist gefragt, so Lessort: „Dann können wir in diesem Turnier noch einiges erreichen.“