Mitglied kündigt – Verein ist froh

von Redaktion

Mainz 05 macht einen besonderen Schriftverkehr öffentlich

München – Etwas mehr als 12 000 Mitglieder hat des FSV Mainz 05, nicht außerordentlich viele für einen etablierten Bundesligisten mit Tradition. Da verliert man ungern jemanden, der einem treu folgt und zudem seinen Beitrag entrichtet. Doch es gibt auch andere Fälle – und einen solchen haben die Mainzer öffentlich gemacht. Über eine Kündigung war der Club, wie er selbst es ausdrückt, „sogar erleichtert“.

Auszüge aus dem Schreiben, das neulich auf der Geschäftsstelle einging: „Ich kann mich mit diesem Verein (Profifußball) schon seit Monaten nicht mehr identifizieren! Mittlerweile bekomme ich den Eindruck vermittelt, dass ich beim Africa-Cup bin, anstatt in der deutschen Bundesliga. Ich weiß, was jetzt kommt, aber nein, ich bin auf keinen Fall rassistisch veranlagt – das verbitte ich mir. Nur, was zuviel ist, ist zuviel. Aber wenn seit Wochen in der Startformation neun (!!!) dunkelhäutige Spieler auflaufen und deutschen Talenten kaum noch eine Chance gegeben wird, dann ist das nicht mehr mein über die Jahre liebgewonnener Verein. Ein Noveski, Bungert, Rose, Babatz, Weiland, Bell usw. standen für Werte und Mentatlität. Das waren Kerle, die mit Herzblut dabei waren.“

Die Abteilung Fan-Service konterte: „Sie haben recht: mit unserem Verein können sie sich nicht identifizieren. Denn für uns spielen Hautfarben oder andere gruppenbezogene Merkmale von Menschen schlicht keine Rolle. Für uns zählt nur, dass jemand Mensch ist und unsere Werte teilt. Solche Menschen heißen wir in unserer Gemeinschaft gerne willkommen. Aus diesem Grunde freuen wir uns vielmehr über Ihre Kündigung, da Ihre Begründung offenbart, dass Sie nicht die Wertebasis besitzen, die unseren Verein auszeichnet.“ Mainz 05 hat seine Werte in der Vereinssatzung und einem Leitbild festgeschrieben.

Und noch der Hinweis an das nunmehrige Ex-Mitglied: Dunkle Haut können auch Mainzer Buben haben. Wie Ridle Baku, „der im Alter von 10 Jahren erstmals für unseren Verein gegen den Ball trat und der nun schon länger zum Kader der deutschen U-21-Nationalmannschaft gehört.“ Ein Nachschlag noch: Es sei „besonders perfide, dass Sie eine sportlich schlechte Phase zum Anlass nehmen und die Hautfarbe von Spielern als Ursache sehen und explizit nennen“. Für diese Kündigung also null Bedauern.

In den sozialen Medien wurde die klare Haltung von Mainz 05 gefeiert. Auch von Anhängern anderer Vereine. GÜNTER KLEIN

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