Leiser Weckruf

von Redaktion

„Pomadiger“ FC Bayern vergibt beim 2:1 über Frankfurt leichtfertig Chancen

Von José Carlos Menzel López

München – So rosig wie der bisherige Weg anmutet, ist er freilich nicht. Zu spüren bekamen die Bayern das erstmals am Mittwoch gegen Eintracht Frankfurt. Fahrlässigkeit vor dem Tor sowie unangenehme Kontaktaufnahmen mit Werbebanden und gegnerischen Eisenstollen machten aus einem sicher geglaubten Einzug ins Pokalfinale einen 2:1-Zittersieg (Ivan Perisic und Robert Lewandowski trafen, Danny da Costa glich zwischenzeitlich aus).

Die weiße Weste nach sechs Triumphen aus sechs Partien nach Corona bleibt damit makellos – die Gewissheit, dass die Roten in den bestenfalls neun anstehenden Spielen auf dem Weg zum Triple Blut und Wasser schwitzen müssen, ist nun ebenfalls eingekehrt nach dem leisen Weckruf gegen die Hessen. Diese Einsicht spiegelte auch das Fazit der Protagonisten wider.

Hatte Thomas Müller zuletzt noch Fragen nach Auflagenrekorden beantwortet, ging es am Mittwoch schon um Chancenverwertung und einstweilige Schläfrigkeit. „In der ersten Halbzeit müssen wir eigentlich deutlich höher führen“, so der 31-Jährige am Sky-Mikrofon. „Wir waren durchaus pomadig, auch müde und geschlaucht von den letzten Wochen. Das hat sich leider in der zweiten Halbzeit durchgezogen, beziehungsweise verschlimmert. Wir waren unsauber, so wie wir es eigentlich von uns nicht gewohnt sind.“ So wie es nach sechs Spielen in 24 Tagen aber auch normal ist. Die Bayern befinden sich auf bisher unbeschrittenen Pfaden. Die Bundesliga ist gerade dabei, neun Spieltage in sechs Wochen durchzupeitschen. Dazwischen wurde noch ein Pokal-Halbfinale – in den Augen von FCB-Cheftrainer Hansi Flick „unglücklich“ – angesetzt.

Nach dem Endspiel am 4. Juli folgt ein Mix aus Urlaub und Vorbereitung, bevor schließlich auch die Königsklasse von Achtelfinale bis Endspiel in wenigen Wochen durchgezogen wird. Ein Mammut-Programm, das Spuren hinterlässt. „Die Spieler haben nach der Pause wirklich viele Spiele, die sie machen müssen. Nicht nur wir, sondern alle. Da hätte man so ein Halbfinale, ähnlich wie in der Champions League, vielleicht auch nach der Bundesliga machen können“, kritisierte Flick die Ansetzung der Pokalpartie.

Immerhin bekommen seine beiden Torgaranten vom Dienst beim nächsten Pflichttermin morgen in der Liga gegen Gladbach eine Auszeit. Robert Lewandowski und Müller fehlen gelbgesperrt, was angesichts ihrer Rekordjagd ärgerlich, mit Blick auf die Fitness aber vielleicht gar nicht mal so verkehrt ist. Ob der rückengeplagte Serge Gnabry den Polen im Sturmzentrum ersetzen kann, ist ungewiss. Auch Joshua Zirkzee ist eine Option. Für Müller dürfte Leon Goretzka nach vorne rücken, für ihn wiederum Thiago die Sechs besetzen. Denkspielchen eines Hansi Flick, der auch Folgendes im Kopf hat: Bereits morgen können seine Kicker die Meisterschale mathematisch unter Dach und Fach bringen. Bei einer Pleite des BVB in Düsseldorf reicht ein Sieg gegen Gladbach zur achten Meisterschale in Folge.

Was folgt, ist ein mühseliger Tanz Richtung Triple. Das Pokalfinale folgt in drei, das CL-Finale laut UEFA-Plan erst in gut zehn Wochen am 26. August. 75 Tage, neun Spiele, drei Titel. Der Marathon beginnt.

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