Das Schwergewicht aus Klagenfurt

von Redaktion

Oldenburgs Hoffnungen ruhen beim BBL-Final 10 vor allem auf Rasid Mahalbasic

VON PATRICK REICHELT

München – Als die ersten Spielminuten Geschichte waren, da haben Rasid Mahalbasic die ersten leisen Befürchtungen beschlichen, dass dieses Final-10 der Basketball-Bundesliga (BBL) für ihn kein gutes Ende nehmen könnte. Der Center der Baskets Oldenburg pumpte und zweifelte: „Ich hab mir gedacht: ,Hast du eigentlich schon mal Basketball gespielt?’“

Am Ende hatte Trainer Mladen Drijencic ja ein Einsehen. Er ließ es in den beiden ersten Auftritten der Niedersachsen bei je zwanzig Einsatzminuten für sein Schwergewicht (120 Kilo) bewenden. „Ganz ehrlich“, sagte Mahalbasic, „es hat sich angefühlt wie 40 Minuten.“ Realitäten in den Tagen des Neustarts.

Es spricht für die Klasse des Österreichers, welche Duftmarke der 29-Jährige im Audi Dome zumindest offensiv trotzdem schon hinterließ. 39 Punkte und 14 Rebounds standen für ihn nach zwei Spielen zu Buche. Man kann erahnen, wen auch der FC Bayern im Blick haben wird, wenn er es am Sonntag (19 Uhr) zum Vorrundenabschluss mit den Oldenburgern zu tun bekommt. Der französische Modellathlet Matthias Lessort darf sich auf Schwerstarbeit einrichten.

Genau diese Qualitäten haben Mahalbasic einst die Aufmerksamkeit eines europäischen Schwergewichts beschert. 2010 holte Fenerbahce Istanbul den gerade 18-Jährigen Klagenfurter mit bosnischen Wurzeln an den Bosporus. Sein Glück fand er dort freilich nie. Zweieinhalb Jahre lang spielte er nicht oder wurde auf Leihbasis durch den Kontinent gereicht. Das hat ihn an den Rand der Depression getrieben, zeitweise nahm er sich therapeutische Hilfe. Das sportliche Aufbauprogramm trug rot-weiß-rot – „die Nationalmannschaft hat mir gutgetan“.

Danach spielte er zwar, doch er musste dafür durch Europa tingeln. Zehn Vereine in sieben Jahren hat Mahalbasic in der Vita stehen. „Ich wollte Profi werden und wurde Söldner“, hat er einmal gesagt. Bereut hat er nichts. Schon gar nicht das Jahr in Nowgorod, wo Mahalbasic seine Frau kennenlernte.

Sesshaft allerdings wurde er erst dort, wo nicht der beste Basketball gespielt oder das meiste Geld verdient wurde. Das familiäre Oldenburger Umfeld war, was Mahalbasic wohl gebraucht hat. Im Vorjahr hat der Mann, der inzwischen auch Vater einer kleinen Tochter ist, seinen Vertrag bis 2021 verlängert. Wobei ein witziges Video die Runde machte, auf dem Frau Mahalbasic im Hintergrund dem eigentlich nicht zur Unterordnung neigenden Gatten („Ich bin anstrengend.“) mit der Suppenkelle droht. „Oldenburg ist die bis jetzt mit Abstand schönste Zeit meiner Karriere“, sagte er. Vor allem ist es auch die sportlich beste. Mahalbasic gilt als einer der besten Center der Bundesliga, einer der besseren auch in Europa. Was ihm natürlich noch einmal Lust auf die noch höheren Ziele macht: „Ich glaube, dass ich in der Euroleague spielen könnte, und natürlich bleibt die ein Ziel.“ Eine entsprechende Offerte im kommenden Jahr würde er wohl kaum ausschlagen.

Doch zuvor hat er Ziele in Oldenburg. Auch schon bei diesem Turnier, in das die Niedersachsen nach ansehnlichem Saisonverlauf durchaus mit Zielen gestartet sind. „Wir wollen uns steigern“, sagte Mahalbasic, „und dann schauen wir mal, wie weit es geht. Bei ihm klingt das fast wie eine Drohung.

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