„Der Glaube an die Rettung ist zurück“

von Redaktion

Werders Kult-Stadionsprecher Arnd Zeigler über Abstiegskampf und Abo-Meister FC Bayern

Bremen – Er tut heute etwas gegen die Stille im Weserstadion. Arnd Zeigler, 54, ist seit rund 19 Jahren Stadionsprecher von Werder Bremen. Vor dem heutigen Gastspiel der Bayern spricht Zeigler mit unserer Zeitung über Abstiegskampf, Meisterschaft – und ein pikantes Foto.

Werder hat den Klassenerhalt nach dem 5:1-Sieg in Paderborn wieder in der Hand. Wie ist die Stimmung?

Das Spiel in Paderborn war eines, das der ganzen Stadt wochenlang gefehlt hat. Es hat den Glauben an den Klassenerhalt zurückgebracht, denn schon vorher dachte man: Die Mannschaft ist blockiert, sie muss zu so etwas eigentlich fähig sein. Personell ist sie nicht so schlecht, dass sie auf Platz 17 stehen muss.

Noch liegt Bremen hinter Düsseldorf, Mainz ist drei Punkte entfernt.

Die drei Abstiegskandidaten spielen jetzt gegen die ersten Drei und werden sich unter der Woche wohl nicht so weit voneinander entfernen. Dann haben wir noch zwei Spiele und Werder fährt mit ganz viel Rückenwind nach Mainz. Ich habe schon das Gefühl, dass sich die Mannschaft den Arsch aufreißt, um die Sache hinzubiegen. Wenn sie das noch schafft, nachdem alle schon die Totenmesse auf Werder gehalten haben, ist das für einen Werder-Fan wie ein Titelgewinn.

Wie erleben Sie die Geisterspiele?

Es ist ganz komisch. Normalerweise interagiere ich als Stadionsprecher mit den Zuschauern, jetzt sorge für einen akustischen Rahmen. Ich glaube nach Rücksprache mit Trainer und Mannschaft, dass es darum geht, dass die Spieler auf dem Platz so viel Normalität haben, wie es geht. Dem Spiel tut es gut, wenn es zumindest ein bisschen nach Bundesliga klingt.

Sie bezeichneten Trainer Florian Kohfeldt als Glücksfall. Hat sich an Ihrer Einschätzung etwas geändert?

Daran hat sich nichts geändert. Daran hätte sich nur dann etwas geändert, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass die Spieler von ihm abrücken. In Bremen ist es nach wie vor so, dass sich die Spieler mit leuchtenden Augen für den Trainer einsetzen. Ich habe auch das Gefühl, dass Kohfeldt sich nicht abnutzt und gute Antworten auf sportliche Fragen hat. Die Dinge, die zu dieser Tabellenkonstellation geführt haben, hat er als Trainer zu verantworten, aber er konnte nicht für alles etwas.

In München hat ein Trainerwechsel gefruchtet, unter Hansi Flick könnte schon heute die achte Meisterschaft in Serie eingefahren werden.

Wenn die Bayern heute Meister werden, haben sie das verdient und ich werde natürlich gratulieren. Acht Bayern-Meisterschaften in Folge wünscht sich niemand, der nicht militanter Bayern-Fan ist. Wir alle haben noch das erste Jahrzehnt dieses Jahrtausends im Kopf, als Bremen, Wolfsburg und Stuttgart Meister geworden sind. Da wusste man, dass die Bayern an einem guten Tag zu packen sind. Im Moment hast du als Gegner aber das Gefühl, dass du dich auf den Kopf stellen kannst und sie trotzdem nicht stoppst.

Auch Sie selber haben ja eine Bayern-Vergangenheit. Es gibt ein Kinderfoto von Ihnen aus dem Münchner Olympiastadion – mit FCB-Fahne.

Das war 1975 und ich neun Jahre alt. Damals, ein Jahr nach dem deutschen Weltmeistertitel, bin ich als Fußballfan so richtig durchgestartet. Im Finale der WM standen sechs Bayern-Spieler in der deutschen Elf – und ich in meinen Anfängen als Fußballfan habe die Weltmeister alle verehrt. Ein Jahr nach dem Finale war ich mit meinen Eltern auf dem Weg in den Tirol-Urlaub, wir haben Station in München gemacht. Ich wollte unbedingt in den Olympiapark, der mich übrigens bis heute fasziniert. Ich habe dann jemanden mit einer Bayern-Fahne vorbeigehen sehen und habe meiner Mutter gesagt: ‚So eine will ich auch haben.’ Sie hat meinen Wunsch erfüllt und während einer Stadionführung ist dann dieses Foto entstanden. Heute wird gerne damit gedroht, mich mit diesem Bild zu erpressen.

Interview: Jonas Austerman

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