Ein Feierbiest braucht jeder Verein, und weil Hermann Gerland halt schon Generationen von Bayern-Spielern begleitet hat, ist die Rolle dauerhaft vergeben. Man erinnert sich noch bestens an den Triple-Abend von London, an dem der Co-Trainer seinen Chef Jupp Heynckes lautstark aufforderte, „endlich mal die Sau rauszulassen“. Bei Hansi Flick ging er nun etwas behutsamer vor: Ein „Bourbon-Cola light“ sollte es in der Nacht zum Mittwoch sein. Flick tat seinem Assistenten den Gefallen. Der übrigens – auch das interessant – genehmigt sich von diesem Misch-Masch-Getränk „jeden Abend eins“.
Auf die Bayern! Auf den Titel! Auf uns! Die beiden Herren werden des Öfteren angestoßen haben, aber das war ihnen auch vergönnt. Und man kann nur hoffen, dass sie die Gläser auch das eine oder andere Mal „Auf den Hansi!“ gehoben haben. Der Bayern-Coach ist bekanntlich Meister im Tiefstapeln, er will von seinem großen Anteil an diesem ersten Erfolg einer womöglich noch erfolgreicheren Saison nichts hören. Weil er Teamplayer ist, weil er sich nicht so wichtig nehmen will, weil er sich als Teil eines Ganzen sieht. Dass er aber kommen musste, um dieses Ganze zusammenzufügen, gibt er ungern zu.
Es müssen daher andere für Flick sprechen. In der Meister-Nacht war das unter anderem Karl-Heinz Rummenigge. Explizit nannte der Vorstandsboss – der Flicks Vorgänger Niko Kovac gerne mal in Ansprachen vergaß – den Coach als Meister-Macher. Und verwies sicher auch nicht ohne Grund auf den Rückstand, den die Bayern bei der Amtsübernahme auf die Tabellenspitze hatten. Flick hat ein Team voller teils verunsicherter, teils verstimmter Individualisten übernommen und zu einer verschworenen Einheit geformt. Dieser Titel ist sein Werk.
Betont wird gerne die menschliche Seite des 55-Jährigen. Vergessen aber sollte man nicht, dass er auch taktisch die richtigen Kniffe getätigt hat. Er ist im Herbst mit einer betont offensiven Ausrichtung Risiko gegangen, hat aber weitsichtig geplant. Aus zwei Achten wurden zwei Sechser um einen unantastbaren Strategen Joshua Kimmich. Aus einer zusammengewürfelten Abwehr ein Bollwerk mit Chef David Alaba. Flick hat – wie Heynckes – eine Stammelf gefunden, der er vertraut. Sie funktioniert schon jetzt bestens – aber ist sicher noch nicht am Ende.
Man darf den Bayern Großes zutrauen. Wenn nicht schon heuer, dann womöglich in den kommenden Jahren. Heynckes brauchte ja auch eine zweite Spielzeit, ehe er 2013 Triple-Sieger und von Gerland zum Tanz aufgefordert wurde. „Bourbon-Cola-light“ klingt nach Einsteiger-Getränk. Vielleicht trinkt Flick bald echte Cola.
Hanna.Raif@ovb.net