Sven Ulreich: Hat sich wohl am meisten darüber gefreut, als die Ersatzspieler nicht mehr dazu verpflichtet waren, Maske zu tragen. Denn Sven Ulreich ist der Ersatzspieler der Saison. Vor Corona, während Corona: Ulreich stand in dieser Bundesliga-Spielzeit tatsächlich gar nicht auf dem Platz. Hat sich beim 1:5 in Frankfurt – dem Schicksalsspiel von Niko Kovac – immerhin so echauffiert, dass er in die Statistik eingeht: Er sah Gelb auf der Bank.
Niklas Süle: Das Wort „Corona-Gewinner“ will man beim FC Bayern nicht hören. Wenn man es aber aussprechen dürfte, könnte man es in Bezug auf Niklas Süle verwenden. Denn der eigentliche Abwehrchef war in der Tat froh darüber, dass die Saison unterbrochen und die EM verschoben wurde. So klappt es zwar womöglich trotzdem nicht mit dem neunten Saisoneinsatz – acht davon fanden vor seinem Kreuzbandriss statt. Dass sein Anteil an dieser Meisterschaft gering ist, kann der 24-Jährige aber verschmerzen. Dafür freut er sich auf alles, was kommt: Die Champions League, die kommende Spielzeit, die EM.
Alvaro Odriozola: Selten war ein Transfer von so vielen politischen Schwingungen begleitet wie jener des Spaniers im Winter. Hansi Flick wollte einen Außenverteidiger, Hasan Salihamidzic eher nicht – es kam der Leihspieler von Real Madrid als Kompromiss. Eine Rolle spielte der 24-Jährige wie erwartet nicht. Als er beim 5:0 gegen Düsseldorf zuletzt eingewechselt werden sollte, war es so perplex, dass es einige Geister-Minuten dauerte, ehe er sein Trikot anhatte. Hansi Flick machte ihm Dampf. Vielleicht kriegt er noch Abschieds-Spielzeit.
Philippe Coutinho: Die Geister, die im Hintergrund mitschwangen, tragen die Namen Leroy Sané und Kai Havertz. Ob man für ein Trio mehr als 300 Millionen Euro ausgeben könne, wurde stets gefragt. Kann man generell schwer, in Zeiten einer Krise aber noch schwerer. Das Kapitel Coutinho wird daher bald enden, bevor es richtig angefangen hat. Ein paar geniale Momente – zum Beispiel beim Hinspiel gegen Bremen –, das war’s. Wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen, wenn er an der Stammelf kratzte.
Corentin Tolisso: Eine wechselvolle Saison – mit dem Fazit: Eher verkorkst. Der Weltmeister kam nie an Kimmich, Goretzka und Thiago vorbei und war daher auch nie mehr als eine gute Alternative. Ein Geisterspiel hat er verletzungsbedingt nicht absolviert – Glück oder Pech? Eher zweiteres, denn im Krankenstand ist es schwer, die Bosse zu überzeugen, dass er in dieser Mannschaft noch ein Mehrwert sein kann.
Michael Cuisance: Dass seine Mitspieler ihn „Mika“ rufen, konnte man im Geister-Stadion besonders gut hören. Sie taten es aber auch besonders oft, weil der Ex-Gladbacher halt noch einige Anweisungen braucht. Gegen Gladbach stand der 20-Jährige zuletzt erstmals in der Startelf, das ist sein langfristiges Ziel. Für richtig viel Spuk hat er heuer noch nicht gesorgt.
Lucas Hernandez: Wer 80 Millionen Euro gekostet hat, steht unter besonderer Beobachtung. Dabei hätte Lucas Hernandez in dieser von Verletzungen durchsetzten Saison eigentlich nur Ruhe und Vertrauen gebraucht. Beides gab es selten. Nahm das Problem – wohin mit ihm? – mit in und aus der Corona-Unterbrechung. Blöd: Die Bayern-Abwehr funktioniert auch ohne ihn bestens. Immerhin Geister-Meister ist er, ansonsten war das Premieren-Jahr in München mau.
Javi Martinez: Der Spanier weiß aus Erfahrung, dass man auch unter Beobachtung steht, wenn man „nur“ 40 Millionen Euro gekostet hat. Er weiß aber auch, dass er heute, mit 31 Jahren, nicht mehr so viel wert wäre. War nach einem kurzen Intermezzo als Innenverteidiger im Spätherbst abgemeldet, und ein zweiter Frühling wie bei Boateng ist bei ihm nicht in Sicht. Ist zum achten Mal Meister, hat aber nie zuvor so wenig dazu beitragen dürfen.