München – „Das ist eine super spannende Saison, die richtig Spaß macht, weil wir noch mittendrin sind. Keiner weiß, wer es am Ende packen wird.“
So sprach 1860-Trainer Michael Köllner vor gut einer Woche nach dem 3:1-Sieg in Uerdingen. Es folgten das 0:1 gegen Hansa Rostock und das nicht minder ernüchternde 0:2 bei Viktoria Köln. Aus zwei Punkten Rückstand auf einen direkten Aufstiegsplatz wurden fünf Punkte auf den Relegationsplatz. Der Traum vom Aufstieg, vom zehn Mal üppigeren Fernsehgeld der 2. Liga – er ist bei noch verbleibenden fünf Spielen so gut wie geplatzt. Die Gründe:
Keine Effizienz, wenig Kreativität: Nach dem 1:1 in Kaiserslautern monierten Köllner und Sportchef Günther Gorenzel die mangelhafte Konsequenz im Abschluss. Ob sie da schon ahnten, dass der Auftritt auf dem Betzenberg der stärkste der folgenden zwei Wochen bleiben würde? Gegen die Konterteams aus Würzburg (1:2), Rostock und Köln erarbeiteten sich die trotz Rotation oft matt wirkenden Löwen zusammengefasst kein halbes Dutzend zwingender Torchancen. Am Dienstag blieb Sascha Mölders’ Schussversuch durch die Beine von Keeper Mesenhöler der einzige Ball aufs Tor der Viktoria. Köllners bitteres Fazit: „Wir waren einfach vorm Tor nicht gut genug. Der Gegner hat uns genug Bälle gegeben, wir konnten uns gut durchkombinieren, aber am Ende des Tages zählen eben nur die Tore. Und die haben wir nicht gemacht, deshalb haben wir völlig verdient verloren.“
Individuelle Fehler: Marco Hiller und Marius Willsch gegen Würzburg, Aaron Berzel gegen Rostock, jetzt Daniel Wein, der Kölns Torjäger Albert Bunjaku ungedeckt einschießen ließ – die Aussetzer sind eine traurige Konstante im Löwen-Spiel. In jedem der sechs „Corona-Spiele“ mussten die Sechziger Rückständen hinterherlaufen, nur gegen fahrlässige Duisburger und Uerdinger reichte es zu Siegen. Neun Gegentore in sechs Spielen sind zu viel für höhere Ansprüche.
Finanzielle Ungewissheit: Durch fehlende Dauerkarten-Erlöse für kommende Saison (keine Zuschauerperspektive) stehen die überschuldeten Löwen vor einem ernsten Liquiditätsproblem. Für eine positive KGaA-Fortführungsprognose, die Voraussetzung für Vertragsverlängerungen wäre, muss eine Finanzierungslücke von bis zu vier Millionen Euro geschlossen werden. Bis dahin sind Sportgeschäftsführer Gorenzel die Hände gebunden. Dass sich die Unsicherheit auf die Leistungen der Spieler auswirkt, ist intern unumstritten. Genauso wie die Tatsache, dass frisches Geld nur von Hauptgesellschafter Hasan Ismaik kommen kann. Er werde „in Kürze“ mit dem e.V. und der Geschäftsführung reden und sei „zuversichtlich, dass wir ein gutes Ergebnis erzielen werden“, ließ der Investor vergangene Woche via Facebook ausrichten. Aber seitdem ist laut Präsident Robert Reisinger nichts passiert. „Wir warten auf die Vorschläge bezüglich der Finanzierung der kommenden Saison“, sagte der e.V.-Vorsitzende.. Das Bangen geht weiter. Nur ohne Aufstiegs-Strohhalm. LUDWIG KRAMMER