Frankfurt/Nyon – Der Sommerfahrplan steht, der August wird heiß: Erstmals seit acht Jahren steigt ein Europacup-Endspiel auf deutschem Boden, und Bayern Münchens Traum vom Triple könnte in Lissabon wahr werden – die Chance des Rekordmeisters auf ein weiteres „Finale dahoam“ verschiebt sich aber um ein Jahr. Das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA) hat am Mittwoch mit weitreichenden Entscheidungen auf die Auswirkungen der Coronakrise reagiert. So wird der Sieger der Europa League bei einem Finalturnier in Nordrhein-Westfalen (ab 10. August) gekürt, in der Königsklasse kämpfen die besten acht europäischen Mannschaften in Portugal (ab 12. August) um den Titel. Das Finale der Champions League wird am 23. August in Lissabon ausgetragen, das Endspiel der Europa League zwei Tage vorher in Köln. Weitere Spielorte des Europa-League-Finalturniers sind Düsseldorf, Gelsenkirchen und Duisburg.
„Der Fußball kehrt ins normale Leben zurück“, sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin Beide Europacup-Wettbewerbe werden ab dem Viertelfinale in Form eines Blitzturniers im K.o.-System (ohne Rückspiele) durchgeführt. In der Champions League ist RB Leipzig bereits dafür qualifiziert, der FC Bayern muss erst noch am 7. oder 8. August das Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea (Hinspiel 3:0) bestreiten. „Ich kenne die Turnierform sehr gut“, hatte Bayern-Trainer Hansi Flick im Vorfeld der Entscheidung gesagt: „Daher glaube ich, dass wir damit zurechtkommen können.“ In der Europa League haben noch Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt Chancen auf das Finale in Köln. Für das Bundesliga-Trio stehen zunächst die Achtelfinal-Rückspiele am 5. oder 6. August an.
Unklar ist noch, ob bei beiden Finalturnieren Fans zugelassen werden könnten. „Ich denke nicht, dass wir Zuschauer haben werden. Aber Dinge ändern sich schnell. Darüber haben wir noch nicht entschieden“, sagte Ceferin. Klar ist hingegen, dass im Sommer transferierte Spieler bei den Finalturnieren noch nicht für ihre neuen Klubs auflaufen dürfen. Dies könnte Timo Werner (möglicher Abgang aus Leipzig zu Chelsea) und Leroy Sane (möglicher Zugang für die Bayern) betreffen.
Das bislang letzte Europacup-Endspiel in Deutschland war 2012 das „Finale dahoam“, das die Bayern gegen Chelsea verloren. 2022 sollten die Münchner die nächste Chance auf ein Heim-Endspiel in der Königsklasse erhalten, doch nun müssen sie sich dafür ein weiteres Jahr gedulden. Ursprünglich waren die Finals der laufenden Saison nach Istanbul (Champions League) und Danzig (Europa League) vergeben worden – die Coronavirus-Pandemie durchkreuzte diese Pläne aber. Beide Städte kommen nun im kommenden Jahr zum Zug, weshalb sich alle bereits vergebenen Endspiele um eine Saison verschieben. Das Champions-League-Finale in München steigt daher erst 2023.
Keine Änderungen gibt es bei der Europameisterschaft, die die UEFA wegen der Pandemie schon im März auf den 11. Juni bis 11. Juli 2021 verschoben hatte. Diese wird wie vorgesehen in zwölf Ländern gespielt. Planmäßig soll die Nations League starten, Deutschland muss am 3. September gegen Spanien antreten, drei Tage später steht die Partie in der Schweiz auf dem Programm. sid