Kleine Party, große Ziele

von Redaktion

Bayern begießen Meistertitel regelkonform – und schwören sich aufs Triple ein

VON HANNA RAIF

München – Die Augen einiger Mitglieder waren vielleicht nicht ganz so weit offen wie sonst, als der Bayern-Tross gestern Vormittag mit zwei Propeller-Maschinen am Flugplatz Oberpfaffenhofen landete. Viel mehr aber war nicht zu sehen. In Zeiten, in denen auch Deutsche Fußball-Meister zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz verpflichtet sind, könnte man selbst durchzechte Partynächte gut verheimlichen. Allerdings war das gar nicht nötig. Die Feierlichkeiten im Hotel „Atlantic“ in Bremen waren nett, es artete aber nicht aus. Eine Corona-Meisterschaft ist halt was anderes.

„Ich hätte das Weißbier gerne in Kauf genommen“, hatte Hansi Flick nach dem finalen Meister-Sieg in Bremen gesagt – und das sprach schon für sich. In Momenten, in denen selbst ein Mann wie der Bayern-Trainer freiwillig eine Dusche mit klebrigem Kaltgetränk in Kauf nehmen würde, merkt man, wie sehr die Normalität fehlt. „Freude pur“ verspürte Flick zwar, „einfach stolz auf die Spieler und das Trainerteam“ war Karl-Heinz Rummenigge. Mehr als die obligatorischen Meistershirts und -Kappen, ein paar symbolische La-Ola-Wellen im leeren Stadion, einer Kabinenparty, einer lustigen Bus-Fahrt sowie einem Schnitzel-Essen im Hotel aber war nicht drin. „Regelkonform“ wollte sich Thomas Müller „dem Abend widmen“, das hieß: Mit gebührendem Abstand – und ohne die nicht auf Corona getesteten Bosse – „das Glas heben“. Auf die achte Meisterschaft in Folge, die 30. insgesamt. Und auf alles, was kommt.

Dass man „die beste Mannschaft in Deutschland ist“, habe man nun gezeigt, sagte Robert Lewandowski, der mit seinem Treffer das 1:0 bei Werder und damit die Meisterschaft perfekt gemacht hatte. Wie der Rest der Mannschaft aber blickte auch der Pole nicht mehr zurück, sondern lieber nach vorne. Diese endlos scheinende Saison ist ja noch lange nicht zu Ende, und jetzt, so betonte Flick, habe man „nur den ersten Schritt gemacht“. Es sei nur logisch, dass die Ziele „bei Bayern München immer hoch“ sind, und „das passt auch zu mir“. Der Pokalsieg gegen Leverkusen am 4. Juli und damit der Gewinn des Doubles soll folgen, ehe zwölf Tage Urlaub anstehen. Dann richtet sich der Fokus auf die Champions League.

Wie die UEFA gestern bekannt gab, wird das Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea am 7. oder 8. August entweder in München oder Lissabon stattfinden, ehe dort ab Anfang August alle K.o.-Duelle in jeweils einem Spiel entschieden werden. „Nicht planbar“ sei der Erfolg in der Königsklasse, unterstrich Flick noch auf dem Bremer Rasen, seine Bosse allerdings träumen aufgrund der jüngsten Serie – 26 von 29 Spielen hat Flick gewonnen – längst vom großen Coup. „Die eine oder andere Runde weiter“ will etwa Karl-Heinz Rummenigge kommen, „idealerweise ins Finale“. Noch konkreter wurde Herbert Hainer. Der Präsident zitierte grinsend, „die Experten, die alle sagen, diese Mannschaft hat die Möglichkeit, das Triple zu gewinnen“. Er ergänzte: „Was Hansi Flick in sechs Monaten aus der Mannschaft gemacht hat, ist schon klasse.“

Das Spiel in Bremen war ein hartes Stück Arbeit, nun kehrt ein wenig Ruhe ein. Die Schale wird erst am letzten Spieltag in Wolfsburg übergeben, von abgespeckter DFL-Delegation, versteht sich. Am Samstag aber, nach der Partie gegen Freiburg, soll in der Allianz Arena intern gefeiert werden. Die Bayern-Chefs lassen sich dafür extra auf Corona testen, die Spielerfrauen jedoch müssen zuhause bleiben. 50 Mann, mehr sind in geschlossenen Räumen nicht drin. Womöglich trägt der eine oder andere am Sonntag zur Maske eine Sonnenbrille.

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