Am Samstag, den 16. Mai, war die Bundesliga wieder losgegangen, seitdem hat sie sieben Spieltage hinter sich gebracht. Fünf Wochenenden plus zwei Unter-der-Woche-Ansetzungen. Das ist kein unmenschliches Pensum, handelsüblich bei Vereinen, die noch in einem zweiten Wettbewerb vertreten sind – und lange genug hatten die Profis ja auch Pause zur Regeneration gehabt. Dennoch: Nicht zu überhörendes Wehklagen über die Belastung, es kam zu prominenteren Ausfällen bis Saisonende (Serdar, Thiago, Thuram), Bänder wurden gezerrt, Muskeln streikten, Leisten wurden weich. Sogar Thomas Müller, der immer noch seinen Zwanzigjährigen-Körper hat, bekannte sich zur Erschöpfung.
Man würde sich in normalen Zeiten ein bisschen wundern, könnte sich routiniert empören über das Jammern der Fußballer, doch die Umstände der Corona-Krise haben die Wahrnehmung des Spiels verändert. Als Berichterstatter im Stadion oder auch als Zuschauer am TV-Gerät hat man in dieser Zeit ohne den Sound des Publikums erfahren können, wie intensiv solch ein Kick auf diesem Niveau unten auf dem Rasen ist. Phasen der Besinnlichkeit gibt es da nicht, es geht durchgehend zur Sache, nicht umsonst wurden einige Laufrekorde aufgestellt. Dazu das Gefühl, in einem Ausnahmezustand zu agieren – natürlich hat Corona Spuren hinterlassen.
Verkraftbarer wird das Programm aber nicht. Bis in den Sommer 2023 hinein dürfen sich die Profis auf was gefasst machen. Die Corona-Nachwirkung wird sein, dass sie kaum weniger Spiele haben werden. Gut, Champions und Europa League erleben durch die Finalturniere eine kleine Einsparung für diese Saison, doch werden in der nächsten wie gewohnt an den Start gehen wollen. Die UEFA hat jetzt großes Entgegenkommen gezeigt, braucht aber irgendwann auch ihr gewohntes Business. Gleiches gilt für den auf Länderspiele und Pokal angewiesenen DFB. Und den Vereinen sollte man ihr Recht auf Vermarktungstouren in neue Märkte nicht absprechen. Für ein eh schon umfassendes Paket an Spielen gibt es nun noch weniger Termine. 2021 ist der Sommer, der frei gewesen wäre, für die nachzuholende EM reserviert, danach wirbelt die Katar-WM im Dezember 2022 ohnehin alles durcheinander. Wir werden die Stars in Dauerschleife sehen – oder eben nicht. Weil sie kaputt sein werden.
Guenter.Klein@ovb.net