Espressobar oder Wienerwald? Hauptsache Halle!

von Redaktion

Fragen nach seiner Zukunft weicht der 1860-Coach aus – Gorenzel macht Hoffnung auf finanzielle Weichenstellung

München – Bekanntlich haut einen als Sechzger nichts so schnell um – und so schienen sich die dunkelsten Wolken schon wieder verzogen zu haben, als Michael Köllner und Günther Gorenzel am Freitag zur Zoom-Pressekonferenz baten. Löwen-Blues? Katerstimmung nach drei Pleiten in vier Spielen und dem Quasi-Aus im Aufstiegskampf? Dem Trainer und dem Sportchef war es offenbar ein Anliegen, genau das zu vermeiden: Dass beim Tabellenneunten ein Negativstrudel einsetzt, der am Ende auch noch den positiven Gesamteindruck der Vor-Corona-Monate infrage stellt.

„Die Spannung bei uns ist nicht weg. Das wäre auch fatal, wenn sie weg wäre“, erklärte Köllner und erinnerte ohne erkennbare Wehmut an 16 Spiele ohne Niederlage, die die Löwen zwischenzeitlich auf Platz drei gespült hatten. „Es ist logisch, dass jede Serie mal endet und es ein Tief gibt“, sagte der Coach: „Wir sind aber im Erfolgsfall realistisch damit umgegangen – und genauso realistisch gehen wir jetzt damit um.“

Gorenzel neben ihm appellierte an den Zusammenhalt: „Ganz wichtig ist, dass jeder in seinem Aufgabenbereich schaut, was er beeinflussen kann – und nicht mit dem Finger nach links oder rechts zeigt, weil es vielleicht in den letzten Spielen nicht ganz wunschgemäß gelaufen ist.“ Bedeutet: Volle Konzentration auf den Liga-Endspurt, der am Sonntag mit dem Heimspiel gegen den Halleschen FC beginnt. „Es sind noch 15 Punkte im Topf“, rechnete Köllner vor: „Wir wollen noch mal fünf starke Spiele auf den Platz bringen, und dann schauen wir mal, was am Ende rauskommt.“

Was auf jeden Fall kommt, ist eine neue Saison (wann sie beginnt, ist offen) – wie immer bei 1860 eine mit Fragezeichen, was den künftigen Profikader betrifft. Bleibt Sascha Mölders? Kann Tim Rieder vom FC Augsburg losgeeist werden? Kommt Ersatz für den künftigen Süper-Lig-Profi Efkan Bekiroglu? Gorenzel machte Fans und Spielern Hoffnung, dass in finanzieller Hinsicht eine Weichenstellung bevorstehen könnte. „Ich weiß, dass Vorschläge auf dem Tisch liegen, die Gegenstand von internen Diskussionsprozessen sind. Ich bin zuversichtlich, dass man da zeitnah zum Abschluss kommen wird.“ Und Köllner? Gefragt, ob er auch nach dem Sommer auf der 1860-Bank sitzen werde, hielt sich der Coach bedeckt. „Das ist zu weit weg für mich“, sagte er und scherzte: „Ob ich nächstes Jahr in der Tagesbar an der Grünwalder Straße einen Espresso trinken werde, so wie jeden Tag, oder ob ich mir ein Hendl beim Wienerwald kaufen werde, das ist momentan völlig wurscht. Nur der Sonntag zählt!“

Und natürlich die Situation, die im Siegfalle eintreten könnte. Gorenzel betonte mit Blick auf den Monat Juli, in dem neben zwei Ligaspielen (Großaspach, Ingolstadt) auch noch zwei Relegationsspiele anstehen könnten: „Das Ding ist sicherlich noch nicht durch.“ Köllners Rat ans Umfeld: „Schreibt die Saison nicht ab!“ ULI KELLNER

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