Es ist ja ein ganz netter Ansatz, den Begriff „Rasse“ aus dem deutschen Grundgesetz streichen zu wollen. Wäre es aber nicht noch schöner, wir könnten einfach das Wort „Rassismus“ eliminieren, weil Rassismus nicht mehr existiert? Weil nun auch der Letzte begriffen hat, dass es Menschen gibt, nicht Rassen?
Gerade werden wir auch im Sport eingeholt von einer Debatte, die uns vor Corona gerade in Fußballstadien beschäftigt hat, als dunkelhäutige Spieler beleidigt, gedemütigt, fast zum Weinen gebracht wurden. Nun steht die Welt auf gegen Rassismus, der längst nicht nur, aber gerade in den USA noch immer weit verbreitet ist, wie uns die unfassbare Tat des Polizisten in Minneapolis brutal verdeutlicht hat. Gäbe es Covid-19 nicht, noch viel, viel mehr Menschen gingen wohl auf die Straßen.
Und wer im TV die Geisterspiele der Bundesliga verfolgte, sah vor Anpfiff Spieler am Mittelkreis knien, zum Gedenken an George Floyd. Der Fußball zeigt Flagge, das ist gut so. Gerade weil es auch unter Fans noch viel zu viele gibt, die überholt geglaubtem Gedankengut anhängen. Mainz 05 hat kürzlich ein Schreiben publik gemacht, mit dem ein Mitglied seinen Austritt aus dem Verein begründet hat: Wenn seit Wochen, hieß es da, „in der Startformation neun (!!!) dunkelhäutige Spieler auflaufen“ und deutschen Talenten kaum noch eine Chance gegeben werde, dann sei das nicht mehr sein über die Jahre liebgewonnener Verein.
In einem Punkt hat der Mann ja Recht, man sollte wieder viel mehr auf eigene Talente setzen, statt viele Millionen für vermeintliche Superstars zu verpulvern. Ob aber die selbst ausgebildeten Jungs deutsch, weiß, farbig, hier geboren oder zugewandert sind, das darf in der heutigen Zeit nun wirklich keine Rolle mehr spielen. Ridle Baku zum Beispiel kickt seit seinem neunten Lebensjahr beim FSV, ist in Mainz geboren, deutscher Staatsbürger, mehr Eigengewächs geht kaum. Ach ja, und er ist einer der neun dunkelhäutigen Spieler, die das Ex-Mitglied gemeint hat.
Der Verein hat den Austritt „nicht ansatzweise bedauert“, er hätte einen Mann, der sich so äußert, ohnehin ausschließen müssen. Der Sport, das ist eine seiner hehren Aufgaben, soll Werte vermitteln, integrieren, nicht ausgrenzen, ein Sportverein muss Heimat für alle sein, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, Glauben, sozialer Herkunft oder sexueller Identität.
Aber auch für Leute, die sich politisch zu Parteien bekennen, in denen es rassistische, menschenverachtende und antidemokratische Tendenzen gibt? Deren führende Köpfe einen Boateng als Fußballer gut finden, aber nicht als Nachbarn? Es gibt nicht viele Vereine, die sich in dieser Frage so klar positioniert haben wie Peter Fischer, der Präsident der Frankfurter Eintracht: Wer AfD wählt, könne in seinem Verein kein Mitglied sein. Mit dem Beitritt stimme man zu, die Werte der Eintracht zu beachten: Keine Diskriminierung, kein Rassismus, kein Antisemitismus. Und das ist schwer vorstellbar bei Leuten, die Politiker unterstützen, die öffentlich Dinge sagen wie der Abgeordnete Andreas Winhart: „Ich möchte wissen, wenn mich in der Nachbarschaft ein Neger anküsst oder anhustet, ist er krank oder ist er nicht krank.”
Man wünschte sich viel mehr solcher klaren Statements wie die aus Mainz und Frankfurt. Selbst wenn es manche für schwierig halten, Mitgliedern oder Wählern einer in Bundestag und Länderparlamenten vertretenen Partei den Zugang zu einem Verein zu verwehren, der Sport hat starke Argumente. Wer offen zeigt, Werte wie Toleranz und Respekt nicht zu leben, hat hier nichts zu suchen. Zumindest der Sport muss den Begriff „Rasse“ ein für alle Mal aus seinem Vokabular streichen.
Der Sport soll Werte vermitteln und integrieren, nicht ausgrenzen – ein Verein muss Heimat für alle sein.