Novak Djokovic in der Kritik

So spielt er nie in der Federer-Liga

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Schon Boris Becker hat es getan. Zunächst als er noch Trainer von Novak Djokovic war und später als TV-Experte. Er hat immer wieder öffentlich mehr Wertschätzung für seinen Schützling eingefordert. Wie nach Djokovics Wimbledon-Sieg im vergangenen Jahr. Damals wurde er von den Fans im Finale gegen Roger Federer sogar ausgebuht. Wenn sich Becker die fehlende Sympathie für den „Djoker“ immer noch nicht erklären kann, sollte er einmal genauer auf die Corona-Pause von Djokovic schauen. Vielleicht geht ihm dann ein Lichtlein auf.

Zunächst sprach sich Djokovic gegen Corona-Schutzimpfungen aus und rückte gefährlich nah an Verschwörungstheoretiker. Nebenbei erklärte die Nummer 1 der Tennis-Welt, mit der Kraft der Gedanken könne man giftiges Wasser in Heilwasser verwandeln.

Vergangenes Wochenende führte Djokovic dann jegliche Hygiene-Konzepte der Sportwelt ad absurdum. Schaute man bei der von ihm ins Leben gerufenen „Adria-Tour“ zu, musste man glauben, die Pandemie läge in einem anderen Sonnensystem. Im randvollen Stadion herzten und umarmten sich die Stars ohne Angst vor der Wirkung solcher Bilder. In der Nacht wurde als Sahnehäubchen oberkörperfrei in Clubs gefeiert.

Kurz zuvor konnte sich Djokovic nicht vorstellen, wie er mit nur einer Kontaktperson bei den US Open spielen könne. Das sei „wirklich unmöglich“. Ein Schlag ins Gesicht für Spieler jenseits der Top-50, die sich keine Entourage aus Trainern und Beratern leisten können. Nun ist er plötzlich zurückgerudert und hat seine Teilnahme doch in Aussicht gestellt.

Sollte er in New York Ende August vor leeren Rängen aufschlagen, steht allerdings fest: Nach seiner persönlichen Corona-Pause bleibt Novak Djokovic der Eintritt in die Fanherzen weiter verwehrt. Sein Trostpflaster: Wenigstens kann er die Buhrufe dieses Mal nicht hören.

daniel.mueksch@ovb.net

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