Die Bayern adeln das Radio-Original

von Redaktion

Letztmals saß Hans-Peter Pull am „Heute im Stadion“-Mikro – Schafkopf mit Hoeneß

München – Und wieder verklingt eine Stimme, die man 40 Jahre im Bayerischen Rundfunk und 35 bei „Heute im Stadion“ gehört hat. Eine Stimme, die Sätze gesprochen hat wie „Paulo Sergio – der Eintänzer aus der Fischbraterei“ oder, nun am Samstag: „Sie hören den Can-Can, die Tormusik der Bayern, aus ,Orpheus in der Unterwelt’ von Jacques Offenbach. Doch nicht Jacques Offenbach hat getroffen, sondern Joshua Kimmich . . .“ Ein echter „Pully“, Liebhaber der klassischen Musik.

„Pully“ ist Hans-Peter Pull, in drei Monaten wird er 67 und geht in Ruhestand. Radiohörer kennen ihn aus den Sportnachrichten auf B5aktuell und vor allem aus über tausend Live-Reportagen vom Fußball. Mit Günther Koch und Edgar Endres bildete er das eingespielte Trio, das über Jahr(zehnt)e den FC Bayern auf seinen Champions-League-Touren begleitete.

Die Bayern haben zu Pulls Abschied beim Spiel gegen den SC Freiburg warme Grüße eingesprochen. „Deine Stimme hat man im Ohr“, sagte Thomas Müller – und ergänzte: „Zurück ins Funkhaus.“ Uli Hoeneß lobte: „Man hatte bei Ihnen immer den Eindruck, dass Sie den Fußball lieben. Und Sie haben berichtet, was Sie auf dem Platz gesehen haben – und nicht wie andere das, was sie gerne hätten.“ Der geadelte Pull erinnerte sich an eine Schafkopfrunde auf einer Europacupreise: Zwei Kollegen von Münchner Zeitungen, Uli Hoeneß und er. „Die haben mich richtig ausgezogen.“

Pull, der aus Hamborn stammt und in München lange seine hochbetagte Mutter und Tante pflegte, war eine Marke unter den Reportern. Einer, der noch mit Krawatte zum Dienst antrat (auch wenn dann irgendein Detail am Outfit nicht stimmte), sich auf Champions-League-Reisen mit dem FC Bayern gelegentlich aus dem Hotelzimmer aussperrte, Käse in jedweder Form ablehnte und einmal den Bayern-Flieger mit einem Schreckensschrei erschütterte: Auf der Heimreise bemerkte er, dass er im Hotel in Manchester die dort mühsam zusammengestellten Steuer-Unterlagen vergessen hatte.

Ein Original, mit dem Generationen von Spielern aufwuchsen. Wenn „Pully“ mit Mikrofon zum Interview auf sie zukam, verweigerten sie sich nicht.

Sein Lebensmittelpunkt wird nun in Marokko sein, wo er schon seit Längerem privat liiert ist. GÜNTER KLEIN

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