München – Im Verlauf dieser Spielzeit haben die Macher der Basketballer des FC Bayern ja immer wieder diese eine Partie beschworen. Das letzte Spiel der Saison, so war es oft zu hören, das wolle man gewinnen. Das immerhin ist den Münchnern nun mit dem 74:73 im Viertelfinal-Rückspiel gegen die Riesen Ludwigsburg gelungen. Besonders glücklich aber war im Bayern-Tross darüber niemand, als man noch am Freitagabend nach einem letzten gemeinsamen Essen aus dem Quarantäne-Hotel auscheckte. Der Sieg reichte nicht, um im Meisterrennen zu bleiben. Die Bayern sind raus aus dem ersten Geisterturnier, raus aus einer Saison, die über weite Strecken eine ernüchternde war.
Geschäftsführer Marko Pesic nahm es gefasst. „Ich habe schon vor dem Turnier gesagt, dass sich der durchsetzen wird, der mit den Umständen am besten zurechtkommt“, sagte er, „wir waren es nicht. Wir haben nicht die Nervenstärke gehabt, um solche Spiele über 40 Minuten durchzuziehen.“
Die Zeit der Analyse hat nun ja gerade erst begonnen. Doch es wird interessant, welche Schlüsse man beim nun entthronten Meister aus der Saison ziehen wird. Klar, das Ende beim Final 10 ist nicht mit normalen Maßstäben zu bewerten. Von den zehn Teams hatten nur die Bayern etwas zu verlieren – und das war den Profis vor allem im zweiten Viertelfinale deutlich anzumerken. Mannschaften wie Ulm oder Ludwigsburg hingegen stürmten mit Klassenfahrts-Atmosphäre geradewegs ins Halbfinale. Im direkten Hinspielduell gab es gestern ein 71:71.
Unter „normalen“ Umständen hätte die Saison sicherlich einen anderen Verlauf genommen. Die Bayern, bis zur Corona-Pause souveräner Tabellenführer, wären der dritten Meisterschaft hintereinander mindestens deutlich näher gekommen. So allerdings bleibt nun vor allem Enttäuschung. Denn natürlich ist nicht vergessen, wie holprig die Saison über weite Strecken verlaufen war.
Nominell war der Münchner Kader so prominent besetzt wie nie. Doch was die Bayern da an Bord hatten, passte offenkundig nicht zur Spielidee von Dejan Radonjic. Vor allem auf den Kreativpositionen fehlten die Impulse und Ideen, die noch ein Jahr zuvor der nach Moskau abgewanderte Stefan Jovic eingebracht hatte. Vor allem international wurden die Münchner Defizite deutlich aufgedeckt. An die Playoffs wollte man heranschmecken. Beim Abbruch der Königsklasse Euroleague ließen die Bayern nur Zenit St. Petersburg dank des besseren direkten Vergleichs hinter sich. Mit einer Wildcard bleibt man aber weiter auf höchster Ebene.
Dass Oliver Kostic dann noch in der Verantwortung steht, ist mehr als unwahrscheinlich. Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic rechnet es dem langjährigen Nachwuchscoach seines Unternehmens natürlich an, dass er sich in der Not der Verantwortung stellte. Und es war auch nachvollziehbar, dass er die entsprechende Diskussion zunächst ablehnte. „Direkt nach dem Spiel den Trainer zu seiner Zukunft zu fragen, fand ich respektlos.“, sagte er. Aber es bleibt Fakt, dass auch Kostic die Dinge nicht zum Besseren wenden konnte. Natürlich steht der Serbe zur Diskussion.
So wie zwangsläufig auch einige Personalien beim spielenden Personal. Mehrere Verträge laufen aus. Bei Kapitän Danilo Barthel stehen die Zeichen auf Verbleib, auch Maodo Lo würde der Noch-Meister sicher gerne halten. Bei Greg Monroe oder Mathias Lessort ist dagegen unwahrscheinlich, dass sie weiter in München spielen.
Wobei personelle Planungen auch bei den Bayern vorläufig ohnehin auf Halt stehen, bis die Situation inmitten der Corona-Pandemie überschaubarer wird. Mit welchem Budget kann man wirtschaften? Inwieweit kann man für die neue Saison mit Zuschauern planen? Fragen, die in diesen Tagen noch offen sind. „Wir haben mit allen vereinbart, dass wir uns in den Tagen zusammensetzen, wenn mehr Klarheit herrscht“, sagte Pesic.