Gelsenkirchen – Wenige Minuten nach dem Schlusspfiff trat Clemens Tönnies vor die Kameras und forderte, „Ruhe zu behalten“, so werde man nicht weitermachen, „ich stehe dafür gerade, und wir kommen da raus“. Über den dramatischen Absturz seiner Sieglos-Schalker sprach der Vereinspatriarch aber gar nicht, sondern über den Corona-Ausbruch in seinem Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück.
100 Kilometer weiter westlich in Gelsenkirchen schwiegen die Bosse. Nach der 1:4- Heimpleite gegen den VfL Wolfsburg ist die Horrorserie bei Folge 15 angelangt, der seit über fünf Monaten sieglose Europapokal-Aspirant Schalke 04 von Platz fünf auf elf abgestürzt. Wenn es ganz schlecht läuft, könnte der einstige Champions-League-Stammgast am letzten Spieltag noch auf den 15. Rang abrutschen – die schlechteste Platzierung seit dem dritten Bundesliga-Abstieg 1988.
Das Minus des hoch verschuldeten Traditionsklubs wächst rasant: Nicht nur die dringend benötigten Einnahmen aus dem internationalen Geschäft fehlen, auch die Bundesliga-Fernsehgelder werden voraussichtlich mehr als fünf Millionen Euro unter der Kalkulation liegen.
Trainer David Wagner wirkt überfordert. Warum sich ungeachtet der vielen Ausfälle kein spielerisches Konzept erkennen lässt? „Die Fragestellung ist falsch.“ Ob einige Spieler die Saison ausklingen lassen? „Mit der Frage kann ich nichts anfangen.“ Ob es nicht bezeichnend war, dass Benito Raman nach der Halbzeit zu spät zu seiner Einwechslung aus der Kabine kam? „Das ist an den Haaren herbeigezogen.“
Der 48-Jährige hält sich „natürlich“ noch für den richtigen Trainer auf Schalke. „Es ist meine Aufgabe, die richtigen Lehren daraus zu ziehen.“ Und auf die Frage, ob er noch die Unterstützung seiner Vorgesetzten spüre, antwortete Wagner: „Ja.“ Vor vier Wochen hatte Sportvorstand Jochen Schneider seinem Wunschtrainer noch eine Jobgarantie für nächste Saison gegeben. Seitdem folgten fünf größtenteils schwache Spiele ohne Sieg. sid