Florian Kohfeldt und David Wagner – so ganz mag man diese Namen immer noch nicht mit gewaltigem Misserfolg verbinden. Zu euphorisch und verheißungsvoll waren ihre Anfänge in der Bundesliga.
Zwei junge, unverbrauchte Typen, die das Bild der Liga auf Jahre prägen können. So die Hoffnung. Nach dem 33. Spieltag muss man nüchtern Bilanz ziehen: Kohfeldt und Wagner haben ihre Clubs in historische Krisen geführt.
Werder Bremen kann den ersten Abstieg in die zweite Liga seit 1980 nur noch mit einem Weser-Wunder verhindern und nicht aus eigener Kraft. Schalke hat die schwächste Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt. Dank des Punktepolsters aus der Vorrunde bleibt Königsblau der Gang ins Unterhaus erspart. Einig sind sich die Vereine in der Analyse – die Verletztenliste hat den Absturz beschleunigt. Bei Werder zu Beginn der Saison, bei Schalke zuletzt. Mag sein. Andere Vereine hatten allerdings zumindest ähnliche Probleme, haben den Krankenstand aber nicht wie ein Mantra vor sich her getragen und damit ein Alibi für die Spieler geliefert.
Zur Wahrheit gehört auch, dass die sportliche Leitung an einer solchen Anzahl nicht unschuldig ist und zu spät reagiert hat. Verletzte Spieler sind nicht nur unbeeinflussbares Schicksal. Mit Top-Personal kann man Profis länger auf dem Rasen halten oder schneller dorthin zurückbringen. Im Norden hat man daher den Chef der Athletik-Abteilung, Axel Dörrfuß, zur Rückrunde freigestellt. Schalke 04 hat während der Saison Andreas Schlumberger als neuen Leiter der medizinischen Abteilung aus Mönchengladbach abgeworben.
Trotz aller Probleme: Bei Werder Bremen und Schalke 04 finden Kohfeldt und Wagner Voraussetzungen vor, die Abstürze in einem solchem Ausmaß verhindern müssten. Erst recht, wenn vermeintliche Ausnahmetalente auf der Trainerbank sitzen. Der Umkehrschluss: Kohfeldt und Wagner wurden überschätzt.
Viele Chancen werden beide Trainer bei ihren jetzigen Arbeitgeber nicht mehr bekommen, um zu beweisen, was für Überflieger sie sind.
Daniel.Mueksch@ovb.net