Diese Fahndung ist schnell beendet. Novak Djokovic trägt die Hauptschuld an dem Corona-Fiasko der Adria Tour. Fall erledigt, auf zum nächsten? So einfach ist es dann doch nicht.
Keine Frage: Als Veranstalter und Zugpferd konnte der 33-Jährige die Rahmenbedingungen der Tennis-Veranstaltung entscheidend beeinflussen.
Das Spielen vor 4000 Zuschauern mit Stuhl-Schiedsrichtern und Ballkindern. Players Party. Kids-Day. All das hat die Nummer 1 der Welt bewusst geplant. Und es passt in die Corona-Äußerungen des Serben der letzten Wochen. Selbst nach Bekanntwerden der beiden positiven Fälle zeigte sich Djokovic anscheinend uneinsichtig. Serbische Medien berichten, er hätte einen Corona-Test mit der Aussage verweigert, er spüre keine Symptome. Kaum vorstellbar, dass die Adria Tour nach den Ereignissen der letzten Tage fortgesetzt wird.
Zu einfach ist es allerdings, Djokovic als Alleinschuldigen für das Chaos zu nennen. Die anderen Teilnehmer geben ebenfalls eine äußerst schlechte Figur ab. Und dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Tennisspieler. Sondern um die Crème de la Crème des Sports. Dominic Thiem, Alexander Zverev, Grigor Dimitrov, Marin Cilic – allein diese Namen lassen die Herzen von Tennis-Fans höher schlagen. Doch sie wurden ihrer Aufgabe als globale Botschafter dieser Weltsportart nicht annähernd gerecht. Deutschlands Nummer 1 hat sich zwar für die Teilnahme prompt entschuldigt. Aber: Früheres Nachdenken hätte ihm dieses „Sorry“ erspart.
Ausbaden müssen es nun Veranstaltungen wie die „German Pro Series“, die heute mit der Zwischenrunde unter anderem in Großhesselohe und Oberhaching weitergeht. Man hatte gehofft, dass mit fortlaufendem Wettbewerb, zusätzliche Lockerungen beschlossen werden und die Finalrunde vielleicht sogar vor Zuschauern ausgetragen werden kann. Davon ist man nun wieder Lichtjahre entfernt. Novak Djokovic und Co. sei Dank.
Zudem müssen Profis jenseits der Top-Platzierungen vielleicht noch länger auf ihre dringend nötigen Preisgeld-Einnahmen verzichten. Probleme, welche die Stars der Adria Tour nicht kennen.
Aber zu einem Vorbild gehört mehr, als nur einen Ball präzise und schnell im gegnerischen Feld zu platzieren.
Daniel.Mueksch@ovb.net