Köllner in der Zwickmühle

von Redaktion

Trainer will mit 1860 aufsteigen – ob er die Bedingungen dafür bekommt, ist fraglich

VON MANUEL BONKE

München – Das Gerücht macht seit ein paar Tagen auf Giesings Höhen die Runde: Löwen-Trainer Michael Köllner könnte es nach der Saison zum FC St. Pauli ziehen. Zum einen hat das damit zu tun, dass Sportchef Andreas Bornemann beim Kiez-Klub einen Nachfolger für Noch-Coach Jos Luhukay sucht. Und jener Bornemann ist ein loyaler Weggefährte von Köllner aus Nürnberger Zeiten. Zum anderen hat es damit zu tun, dass der 1860-Trainer bei entsprechenden Nachfragen zu seiner Zukunft bisher ein eindeutiges Bekenntnis zu seinem aktuellen Arbeitgeber vermissen lässt. Darum fragte unsere Zeitung am Freitag bei der Abschluss-Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Unterhaching (Samstag, 14 Uhr, MagentaSport): Herr Köllner, was läuft da mit St. Pauli?

Der Fußballlehrer konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, ehe er antwortete: „Die Frage wird nur spektakulär, wenn meine Antwort spektakulär ist. Ich habe hier nächstes Jahr Vertrag. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Die Faktenlage ist hier entscheidend: Ich habe Vertrag und ich glaube, ich erwecke aktuell nicht den Eindruck, dass ich fahnenflüchtig bin.“

Die Situation von Köllner ist verzwickt – wie schon damals bei Vorgänger Bierofka. Gesellschafter- und Vereinsseite sind nach wie vor zerstritten. Das erschwert die Planungen des Trainers für seine persönliche Zukunft und die der Mannschaft. Köllner sagt: „Wir sind momentan dabei, die Rahmenbedingungen für den Verein abzustecken. Das ist sicherlich ein wichtiger Bestandteil. Auch für mich. Auch für Günter Gorenzel. Und für jeden Spieler, der hier tätig ist und sich zukünftig vielleicht dem Verein anschließt. Wie sind die Rahmenbedingungen? Wo will der Verein hin? Das sind wichtige Dinge.“

Mit der aktuellen Saison ist Köllner in seiner Position als Löwen-Dompteur zufrieden – auch wenn der Verein mit der Derby-Pleite gegen die Bayern-Amateure wohl die letzte Aufstiegschance verspielt hat: „Mit welchem Ziel sind wir diese Saison angetreten? Eine sorgenfreie Saison zu spielen. Uns im Idealfall für den Pokal zu qualifizieren. Und dass wir mit unseren Spielern und Mannschaft Sprünge machen.“ Diese Ziele hat Köllner mit seiner Mannschaft bisher größtenteils erreicht.

Doch der 1860-Coach denkt schon einen Schritt weiter: „Jetzt geht es darum, wo will der Verein hin in Zukunft? Ich habe sicherlich Ambitionen, das ist klar: Îch will 1860 in die zweite Liga bringen. Das habe ich vor längerer Zeit gesagt.“ Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es aber finanziell günstiger Rahmenbedingungen. Und aktuell sieht es nicht aus, als ob Köllner und Sportchef Gorenzel diese bekämen, um die Kaderplanung für die neue Saison effektiv voranzutreiben. Sollte der Streit zwischen Gesellschafter- und Vereinsseite weiterhin für ein Vakuum sorgen, ist es möglich, dass Köllner nach der Saison die Reißleine zieht.

Artikel 1 von 11