Der Torwart der Zukunft

von Redaktion

Erster Tag in München: Alexander Nübel noch ohne Kollegen-Kontakt

München – Lang ist’s her. Am 8. Juni 2011 begann die Ära Manuel Neuer beim FC Bayern. Der damals 25-Jährige hatte tags zuvor ein EM-Qualifikationsspiel in Aserbaidschan absolviert und hob direkt im Anschluss gegen vier Uhr morgens von Baku Richtung Frankfurt ab. Dort wurde er abgeholt und nach München chauffiert. Auf dem Programm standen: Medizincheck, Unterschrift und ein Weißwurstfrühstück bei Schuhbeck.

Nicht ganz so pompös ging es gestern zu, als ein anderer Keeper seine ersten Schritte in der Landeshauptstadt machte: Alexander Nübel. Der Schalke-Schlussmann, der beim Rekordmeister in München bis 2025 unterschreibt, hatte gestern seinen ersten Tag an der Säbener Straße. Ein Tag, der für den 23-Jährigen aber im Gegensatz zu Neuers Schlaflos-Auftritt vor neun Jahren in der Münchner Innenstadt weitaus gedämpfter ausfiel. Weil Montag trainingsfrei war, konnte der U 21-Vize-Europameister von 2019 seine zukünftigen Kollegen gar nicht begrüßen.

Den Transfer von Alexander Nübel begleiten unüberhörbare Nebengeräusche. Kaum hatte der FC Bayern den Deal mit dem Torwart-Talent einen Tag nach Heilig Dreikönig öffentlich gemacht, ging das Spießrutenlaufen für den jungen Torhüter los. Zuerst wurde er massiv für seinen Wechsel in die zweite Münchner Reihe hinter Neuer kritisiert, hernach wollten ihn auch vereinzelt Berater in die dritte Münchner Reihe schicken (weil ja auch noch Sven Ulreich da ist), und schließlich war auch noch von einer Einsatzgarantie die Rede, mit der Neuer (seine Vertragsverlängerung geriet auch noch zur Hängepartie) nur bedingt einverstanden gewesen sein soll. Der Kapitän selbst gab mit Blick auf Nübel relativ eindeutig zu Protokoll: „Ich bin kein Statist, sondern Protagonist, möchte immer spielen.“

Keine einfache Situation für den Ex-Schalker, der sich die Gunst seiner neuen Teamkameraden (und Konkurrenten) wohl erst wird erarbeiten müssen. Wann er die Möglichkeit dazu bekommt, bleibt abzuwarten. Nach dem Pokalfinale am kommenden Samstag heißt es für die Mannschaft des FC Bayern: erst mal knapp zwei Wochen lang die Beine hochlegen, ehe es Ende Juli weitergeht mit der Vorbereitung auf das Finalturnier in der Champions League im August (vorausgesetzt, die Bayern lassen im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea ihren 3:0-Vorsprung nicht anbrennen). Nübel selbst ist in Lissabon noch nicht spielberechtigt, die UEFA lässt nämlich für die Spiele nur die ursprünglichen Kader seit der Winterpause zu.

So oder so dürfte sich für Nübel jedoch die Frage stellen, ob er seine Ferienzeit verkürzt und bereits in der Vorbereitung zum Team stößt. Nach der Königsklasse, die für die Münchner im besten Fall bis zum Endspiel am 23. August andauert, stehen am 3. und 6. September noch zwei Länderspiel-Termine an, ehe es Mitte September wieder mit der Bundesliga weitergeht. Rund zwei Wochen Vorbereitung (und vor allem Akklimatisierung) wären wohl gerade für Nübel mit Blick auf die vergangenen Monate zu wenig.

Morgen läuft sein Vertrag an der Säbener Straße an. Und auch wenn der FC Bayern seinen Torwart der Zukunft noch nicht offiziell vorgestellt hat, so hat Nübel seinen ersten Tag im neuen Münchner Office bereits hinter sich gebracht – weitgehend unbemerkt. JOSÈ CARLOS MENZEL LÒPEZ

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