München – Der letzte öffentliche Auftritt von Willi O. Hoffmann war im Mai 2019. In der Erlebniswelt des FC Bayern wurde die Meistermannschaft von 1969, die erste des Vereins zu Bundesligazeiten, geehrt – und dabei war auch Hoffmann, damals Schatzmeister. Er saß im Rollstuhl, wirkte eingefallen, hatte nichts mehr von dem kraftstrotzenden Mannsbild, das im Umlauf der Allianz Arena als Gemälde verewigt ist. Typische Pose: Hoffmann lupfte den (Trachten-)Hut und lachte. So war er bekannt geworden, als Bayern-Präsident der Jahre 1979 bis 85. Spitzname: „Champagner-Willi“. Heute wird Hoffmann 90.
Auch wenn seine Ära weit zurückliegt und – zumindest im höchsten Amt – nicht sonderlich lange währte, herrscht eine tiefe Verbundenheit zwischen dem FC Bayern und Hoffmann. Auf Champions-League-Reisen begleitete er den Club noch viele Jahre, er gehörte wie selbstverständlich zum Tross. Der Sendlinger ist eine Art Vereinsoriginal.
Seine wichtigste Maßnahme: Er installierte Uli Hoeneß nach dessen Spielerinvalidität als Manager. Und er inszenierte – ohne dass dahinter eine Strategie gestanden wäre – den FC Bayern als Marke. „Es wurde in allen Stadien gesungen, dass man uns die Lederhosen ausziehen soll“, erinnerte er sich, „dann sind wir auch in Lederhosen hingefahren“. Hoffmann selbst zeigte sich auch gerne im dazu passenden Stil, zu festlichen Anlässen trug er einen Hut mit Gamsfeder. Er war ein Urvater des „Mia san mia“ und widerlegte in seiner barocken Lebenslust den einmal von Paul Breitner formulierten Vorwurf, nicht mal gescheit feiern könne „dieser Scheißverein“. Der Manager Hoeneß, die sportlichen Taktgeber Breitner und Karl-Heinz Rummenigge und ab 1983 noch einmal Udo Lattek als Trainer, erstes Investment auch in die Basketballabteilung – das war Hoffmanns Crew.
Eine süffige Bayern-Zeit – die trotzdem abrupt endete. Der Grund lag in Geschäften, die Hoffmann als Steuerberater getätigt hatte. Da erwischte es ihn schließlich mit einer Freiheitsstrafe auf Bewährung (womit eine weitere Tradition des Vereins begründet wurde). Hoffmann war der bayerischste Präsident des FC Bayern. GÜNTER KLEIN