Ein Knapp-Dreiviertel-Marathon mit Einzelstarts und ohne Pulks

von Redaktion

Wie München am 11. Oktober 12 600 Läufer auf die Strecke bringen will – Das Motto lautet: „Amoi anders“

VON GÜNTER KLEIN

München – Vergangene Woche gab es wieder zwei Marathon-Absagen. Berlin – erst auf unbestimmte Zeit verschoben, nun definitiv für 2020 gestrichen, weil es ja irgendwann Winter wird. Dann New York – der nächste der weltgrößten, der Majors, der keine Chance sieht, das alles über die Bühne zu bringen. Erstaunlich jedoch: München will veranstalten am Sonntag, den 11. Oktober, und der findige Organisator Gernot Weigl hat schon ein neues Motto und das Logo dazu geschaffen: „2020 amoi anders“.

Der entscheidende Zusatz: „30 km.“ Die 42,195 km schrumpfen zusammen, München wird einen Knapp-Dreiviertel-Marathon erleben – so denn Kreisverwaltungsreferat und Bayerisches Innenministerium das Konzept durchwinken. „Jeder bekommt die gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Änderungen zu spüren – leider auch wir“, sagt Weigl.

Großveranstaltungen sind im Grundsatz bis 31. Oktober verboten – doch Weigl sieht eine Chance, die Auflagen (Mindestabstand, Kontaktnachverfolgung) auch dann einzuhalten, wenn Menschenmassen sich auf eine Laufstrecke begeben. „22 000 Teilnehmer wie bisher, verteilt auf vier Wettbewerbe – das geht natürlich nicht“, weiß Weigl, der den München Marathon vor zwanzig Jahren übernommen und wiederbelebt hat. Er kennt die Punkte, die heikel sein könnten: Gedränge im Startbereich, Pulkbildungen auf der Strecke, die Mischung aus Schweiß, Aerosolen und Schmierstoffen an den Verpflegungsstationen, Leute mit nach extremer Anstrengung angeschlagenem Immunsystem im Zielsektor. All das muss vermieden werden.

Was alles „amoi anders“ sein wird: Weigl streicht Staffeln und die 10 km, der beliebte Halb- und der ganze Marathon verschmelzen zum Kompromiss von 30 km. „Für jeden eine Bestzeit – denn so oft gibt es diese Distanz nicht.“

Bis auf zwei Wasserauffüllstationen (Kilometer 19 und 26) sind die Läufer Selbstversorger, „ähnlich wie bei Trailruns“. Die Zahl der Teilnehmer wird beschränkt auf 12 600. So viele kann man mit einem Einzelstart-Modus durchschleusen. Dreieinhalb Stunden (sonst 20 Minuten) lang zieht sich der Start hin (in zwei Blöcken), es gibt Zehn-Minuten-Slots für je 300 Leute, die nach und nach in eine „Starting Area“ mit 32 Plätzen und zwei Metern Abstand zueinander geschleust werden, wo eine Ampel alle vier Sekunden einen auf die Strecke lässt. In den Block muss man über eine Einbahnregelung und mit Mundnasenschutz (man darf ihn, bevor es losgeht, aber abnehmen). Im Ziel, im Olympiastadion, muss die Maske wieder getragen werden. Verpflegung gibt es dann – Weigl: „Wie beim Hotelfrühstück“ – abgepackt.

Es wird alles ungewohnt sein: Die Marathon-Messe in der Olympiahalle entfällt, Medaillen im Ziel bekommt man nicht umgehängt, man wird sie von einem Tisch nehmen müssen. Gestrichen wird die Siegerehrung (es kann ja auch zum Schluss noch ein ganz Schneller kommen), die Ehrenpreise für die drei Erstplatzierten bei Frauen und Männern werden – wie zuvor schon die Startnummern – mit der Post verschickt. Wer als Zuschauer ins Olympiastadion will, muss sich vor Ort registrieren lassen, auf der Strecke halten die Startnummern-Transponder fest, wie nahe sich Sportler kommen.

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